In der Debatte um die Elektromobilität rückt ein oft übersehener Faktor in den Fokus: das Steuersystem. Eine Studie der Klimaschutzorganisation Transport & Environment (T&E) kommt zu dem Ergebnis, dass fossil betriebene Firmenwagen in Deutschland steuerlich erheblich stärker begünstigt werden als vergleichbare Elektroautos – mit rund 13,7 Milliarden Euro pro Jahr.

Wie das Steuersystem den Verbrenner bevorzugt

Die Begünstigung entsteht auf mehreren Ebenen: durch Vorsteuerabzug und Abschreibungen, die pauschale Besteuerung des geldwerten Vorteils („Dienstwagenprivileg") sowie steuerfreie Tankkarten. Hinzu kommt, dass Diesel über die Energiesteuer geringer belastet wird als Benzin. Da rund zwei Drittel aller Neuzulassungen in Deutschland auf Firmenwagen entfallen, prägt dieses System den gesamten Automarkt.

Der Vergleich mit dem Ausland

Dass eine andere Steuerpolitik andere Ergebnisse bringt, zeigt laut taz der Blick nach Großbritannien: Dort werden Verbrenner-Dienstwagen höher besteuert – und der Elektroanteil bei Firmenwagen liegt deutlich höher als hierzulande.

Was die Studienautoren fordern

T&E plädiert nicht für eine pauschale Abschaffung der Dienstwagenbesteuerung, sondern für einen Umbau: Der Steuersatz für Verbrenner solle steigen, während Elektroautos niedrig besteuert blieben; perspektivisch solle sich die Besteuerung am CO₂-Ausstoß orientieren. So würde der steuerliche Anreiz vom Verbrenner zum E-Auto verschoben.

Gegenposition

Kritiker wenden ein, dass Abschreibungen auf Betriebsvermögen steuerrechtlich üblich seien und nicht ohne Weiteres als Subvention gewertet werden dürften; der Vorsteuerabzug werde zudem durch die Besteuerung beim Arbeitnehmer teils ausgeglichen. Die Autoindustrie verweist darauf, dass für E-Dienstwagen bereits ein vergünstigter Steuersatz gilt, und fordert vor allem mehr Ladeinfrastruktur.

Aktueller Kontext

Die Debatte fällt in eine Phase, in der der Staat fossile Kraftstoffe sogar zusätzlich entlastet hat: Der Bundestag beschloss zuletzt eine befristete Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel – verbunden mit Steuermindereinnahmen in Milliardenhöhe. Damit verschärft sich die Grundfrage der Studie: Wie konsequent ist eine Verkehrspolitik, die den Umstieg auf E-Autos will, fossile Mobilität aber weiter steuerlich begünstigt?