Tief unter unseren Füßen steckt eine gewaltige Energiemenge – kontinuierlich verfügbar, unabhängig davon, ob die Sonne scheint oder der Wind weht. Die Nutzung dieser Erdwärme, die Geothermie, gilt als unterschätzter Baustein der Wärmewende. Bislang deckt sie in Deutschland nur einen kleinen Teil des Wärmebedarfs; das Potenzial reicht laut Fachleuten weit darüber hinaus.
Zwei Technologien
Geothermie ist nicht gleich Geothermie. Die oberflächennahe Geothermie nutzt bis in einige Hundert Meter Tiefe die konstante Erdtemperatur; Wärmepumpen heben sie auf Heizniveau an. Nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Energieinfrastrukturen und Geothermie ließe sich ein Großteil der Bestandsgebäude auf diese Weise heizen.
Die tiefe Geothermie erschließt heißes Wasser in 2.000 bis über 5.000 Metern Tiefe. Es wird nach oben gepumpt, gibt seine Wärme an ein Fernwärmenetz ab und wird anschließend wieder zurückgeleitet – ein geschlossener Kreislauf. So lassen sich ganze Stadtquartiere versorgen.
Wo Deutschland heiß ist
Besonders günstig sind drei Regionen: das Süddeutsche Molassebecken um München, der Oberrheingraben und das Norddeutsche Becken. Vorreiter ist der Großraum München, wo die Stadtwerke mehrere Geothermieanlagen betreiben. In Grünwald etwa fördert eine Bohrung aus über 4.000 Metern Tiefe rund 128 Grad heißes Wasser und versorgt darüber Tausende Haushalte – mit erheblicher CO₂-Einsparung (Spektrum).
Stärken und Risiken
Geothermie liefert rund um die Uhr gleichmäßig Wärme, braucht keinen Speicher und ist vollständig heimisch – ein strategischer Vorteil. Doch es gibt Hürden: Eine Tiefenbohrung kostet Millionen, ohne Garantie auf Erfolg (Fündigkeitsrisiko). Selten, aber real sind durch Bohrungen ausgelöste Erschütterungen. Bekannte Negativbeispiele sind das 2006 nach einem Beben gestoppte Projekt in Basel und die Fehlbohrung im baden-württembergischen Staufen 2007, bei der sich der Boden hob und Hunderte Häuser beschädigt wurden (heise). Moderne Projekte arbeiten daher mit strenger seismischer Überwachung.
Rückenwind, aber wenig Tempo
Die Politik hat mit einem Beschleunigungsgesetz die Genehmigungsverfahren vereinfacht und sich höhere Ausbauziele für die Erdwärme gesetzt. Schätzungen zufolge könnte langfristig ein erheblicher Teil des deutschen Wärmebedarfs aus Geothermie stammen. Die Technik ist vorhanden, der Untergrund auch – es fehlt vor allem an Tempo beim Ausbau.



