Wer einen Schimpansen kitzelt, hört etwas Vertrautes: ein keuchendes, rhythmisches Lachen. Es klingt nicht wie menschliches Gelächter, ist aber unverkennbar verwandt. Auch Gorillas, Bonobos und Orang-Utans lachen beim Spielen und Kitzeln – und das verrät einiges über die Wurzeln unseres eigenen Lachens.

Derselbe Takt bei allen Menschenaffen

Eine aktuelle Untersuchung verglich Lachsequenzen von Orang-Utans, Gorillas, Bonobos, Schimpansen und Kindern – und fand ein gemeinsames Muster: Die Lachlaute folgen einem gleichmäßigen Rhythmus, fast wie das Ticken eines Metronoms, unterbrochen von Atempausen. Wie Spektrum der Wissenschaft berichtet, deutet diese Gemeinsamkeit darauf hin, dass schon der letzte gemeinsame Vorfahre aller heutigen Menschenaffen ähnlich lachte – also lange bevor sich die einzelnen Arten entwickelten.

Den Grundstein dafür legte eine vielzitierte Studie der Lachforscherin Marina Davila-Ross, die bereits 2009 in Current Biology zeigte, dass die Kitzellaute von Menschenaffen und Menschen gemeinsamen evolutionären Ursprungs sind. Die akustischen Ähnlichkeiten folgen exakt dem Stammbaum der Primaten – ein starkes Indiz dafür, dass das Lachen vor etwa zehn bis sechzehn Millionen Jahren entstand.

Je näher am Menschen, desto schneller

Bei aller Gemeinsamkeit gibt es Unterschiede. Orang-Utans, die am weitesten von uns entfernt verwandt sind, lachen am langsamsten und mit den längsten Pausen. Schimpansen lachen schneller, Menschen am schnellsten und variabelsten. Und nur der Mensch kann sein Lachen bewusst steuern und der Situation anpassen. Genau diese Kontrolle über die Stimme gilt als eine Schlüsselfähigkeit auf dem Weg zur Sprache.

Lachen als sozialer Kitt

Lachen erfüllt bei Menschenaffen einen klaren Zweck: Es festigt Beziehungen und verlängert das gemeinsame Spiel. Beobachtungen an Schimpansen zeigen, dass Spielsituationen länger andauern, wenn ein Tier auf das Lachen des anderen mit eigenem Lachen reagiert. Ansteckendes Lachen ist also keine rein menschliche Eigenschaft – es dient auch unseren Verwandten dazu, soziale Bindungen zu knüpfen.

Eine Brücke zur Sprache

Daraus ergibt sich die spannendste These: Lachen könnte eine Vorstufe der Sprache sein. Menschliches Lachen ist stimmhafter, atemtechnisch kontrollierter und klanglich vielfältiger als das der anderen Menschenaffen. Dieselbe Fähigkeit, Laute bewusst zu formen und sozial einzusetzen, ist auch für das Sprechen nötig. Die menschliche Sprache wäre demnach kein Sprung aus dem Nichts, sondern wurzelt in einem uralten, körperlichen Reflex – dem gemeinsamen Lachen beim Spielen, das wir bis heute mit unseren nächsten Verwandten teilen.