Deutschlands letzte große Warenhauskette bekommt frisches Geld – doch der Preis ist hoch. Wie das Handelsblatt berichtet, stellt die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers Galeria eine Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro bereit, besichert durch die Warenbestände. Damit löst das Unternehmen einen bestehenden Kredit bei Bain Capital über rund 80 Millionen Euro ab und will Mieten und Wareneinkauf absichern.

Stabilisierung, aber kein Befreiungsschlag

Der Kredit verschafft Galeria Luft – die strukturellen Probleme bleiben. Eingebettet ist er in einen mehrjährigen Sanierungsplan, der das Filialnetz deutlich verkleinern soll. Von den derzeit noch 83 Warenhäusern gelten nach Unternehmensangaben rund 30 als „Wackelkandidaten". Konkrete Listen betroffener Standorte gibt es bislang nicht. Bereits 2024 hatte Galeria mehrere Filialen geschlossen, nachdem Mietverhandlungen gescheitert waren. Wie viele der rund 12.000 Beschäftigten ihre Stelle verlieren könnten, ist offen.

Eine Kette von Pleiten

Galeria blickt auf eine beispiellose Krisenserie zurück: Schon 2020 und 2022 musste der damalige Konzern Galeria Karstadt Kaufhof in der Corona-Zeit Schutzschirm- bzw. Insolvenzverfahren durchlaufen. Anfang 2024 folgte die dritte Insolvenz – ausgelöst durch den Zusammenbruch des Mutterkonzerns Signa des Immobilieninvestors René Benko. Mitte 2024 übernahmen die US-Gesellschaft NRDC und der Unternehmer Bernd Beetz das Unternehmen.

Verdi warnt vor der vierten Pleite

Die Gewerkschaft Verdi sieht Galeria erneut am Abgrund und warnt vor einer vierten Insolvenz. Mieten seien zeitweise nicht bezahlt worden, ein tragfähiges Zukunftskonzept fehle. Verdi fordert die Rückkehr zu Einzelhandelstarifverträgen und ausreichend Personal; die Löhne lägen teils deutlich unter dem Branchentarif.

Symbolkampf um das Warenhaus

Hinter den Zahlen steht eine grundsätzliche Frage: Kann das klassische Warenhaus im Zeitalter des Online-Handels überleben? Galeria ist der letzte große Anbieter seiner Art in Deutschland. Ob Kredit und Sanierungsplan reichen, um eine vierte Insolvenz abzuwenden, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.