Mehrere Landesverfassungsschutzbehörden warnen in ihren aktuellen Jahresberichten vor demselben Trend: Extremisten nutzen künstliche Intelligenz und soziale Medien immer gezielter, um Propaganda zu verbreiten und vor allem junge Menschen zu radikalisieren. Am deutlichsten dokumentiert das der bereits vorgelegte Verfassungsschutzbericht 2025 für Nordrhein-Westfalen.

KI und Deepfakes als neues Werkzeug

Der nordrhein-westfälische Bericht, den Innenminister Herbert Reul und Verfassungsschutz-Chef Jürgen Kayser im April 2026 vorstellten, benennt die Gefahr durch KI ausdrücklich. „Deepfakes können täuschen, die demokratische Meinungsbildung beeinflussen und Vertrauen in staatliche Stellen und Medien untergraben", warnte Reul. KI-generierte Bilder und Videos lassen sich schneller, billiger und überzeugender produzieren als je zuvor – und über soziale Netzwerke gezielt an bestimmte Zielgruppen ausspielen.

Radikalisierung über die Plattformen

Ein zweiter Schwerpunkt ist die Rolle sozialer Medien bei der Radikalisierung. Extremisten aller Spektren – rechtsextrem, linksextrem und islamistisch – nutzen die Plattformen zur Vernetzung, Mobilisierung und Agitation. Werden Konten auf großen Netzwerken gelöscht, weichen die Akteure häufig auf kleinere, weniger regulierte Dienste aus. Besonders im Blick haben die Behörden dabei die schnelle Radikalisierung Jugendlicher über digitale Kanäle.

Die Zahlen aus Nordrhein-Westfalen

Wie groß die Szene ist, zeigt der NRW-Bericht in Zahlen: Die politisch motivierte Kriminalität stieg dort 2025 auf 13.645 Straftaten – ein Anstieg von rund 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr; darunter 786 antisemitische Straftaten, ein Höchststand. Das Personenpotenzial bezifferte der Verfassungsschutz auf rund 4.500 Rechtsextremisten (etwa 1.800 davon gewaltorientiert), rund 3.300 Linksextremisten und etwa 4.100 Personen in der islamistischen Szene. Als größte Bedrohung gilt weiterhin der Rechtsextremismus.

Behörden rüsten digital nach

Die Verfassungsschutzämter reagieren mit eigenen Mitteln: zielgruppengerechter Ansprache in sozialen Medien, Präventions- und Aufklärungsprojekten sowie erweiterten Befugnissen zur Beobachtung des digitalen Raums. Die Herausforderung ist doppelt – KI ist Bedrohungswerkzeug in den Händen von Extremisten und zugleich ein Instrument, das die Sicherheitsbehörden für ihre eigene Arbeit zunehmend brauchen.

Auch weitere Bundesländer, darunter Rheinland-Pfalz, stellten zuletzt ihre Verfassungsschutzberichte für 2025 vor und betonten ähnliche Befunde.