Für den Münchner Traditionsverein TSV 1860 spitzt sich die Krise weiter zu: Das Amtsgericht München hat das Insolvenzverfahren über die Spielbetriebsgesellschaft (KGaA) der „Löwen" eröffnet und einen Insolvenzverwalter bestellt. Vorausgegangen war der Zwangsabstieg aus der 3. Liga in die Regionalliga Bayern – kein sportlicher, sondern ein finanzieller Absturz.

Wie es zum Zwangsabstieg kam

Anders als sonst entschied nicht der Tabellenplatz: 1860 erhielt für die kommende Saison keine Drittliga-Lizenz, weil ein finanzieller Nachweis fehlte. Wie die Sportschau berichtet, spielt dabei der zerrüttete Konflikt mit dem jordanischen Investor Hasan Ismaik die zentrale Rolle. Ismaik hält rund 60 Prozent der Anteile an der KGaA und war über Jahre der wichtigste Geldgeber.

Kurz vor der Lizenzierungsfrist kündigten Ismaiks Gesellschaften nach Vereinsangaben Darlehen in Höhe von rund 2,7 Millionen Euro – genau jene Summe, die für die Lizenz nötig gewesen wäre. Der Verein hält die Kündigung für unrechtmäßig, der Lizenzierungsausschuss blieb dennoch bei seiner Entscheidung. Der Abstieg in die vierte Liga war damit besiegelt (liga3-online).

Was die Insolvenz bedeutet

Das Finanzloch der KGaA wird in Berichten auf einen Millionenbetrag im hohen einstelligen Bereich beziffert. Der Insolvenzverwalter übernimmt nun die Kontrolle über die Gesellschaft, muss Gläubiger befriedigen, mögliche Investoren suchen und die Auseinandersetzung mit Ismaik führen. Dessen Darlehen gelten dabei als nachrangig – andere Gläubiger werden vorrangig bedient.

Neustart in der Regionalliga

Der Spielbetrieb soll trotzdem weitergehen, allerdings eine Liga tiefer. Der Stammverein TSV 1860 München e.V. hat die Grundlage für eine neue Spielbetriebsgesellschaft geschaffen, um die Mannschaft in der Regionalliga Bayern an den Start zu bringen. Der Kader muss dafür weitgehend neu aufgebaut werden.

Streit um die Markenrechte

Ein zusätzliches Problem bleibt: Ismaik hält über eine eigene Gesellschaft wesentliche Vermarktungs- und Markenrechte an Logo und Schriftzug des Vereins. Diese liegen außerhalb der Insolvenzmasse – und erschweren den ohnehin komplizierten Neuanfang. Für den 1860 gegründeten Klub, einst deutscher Meister und Bundesligist, ist die aktuelle Lage eine historische Zäsur.