Wer durch die Altstadt von Görlitz spaziert, versteht schnell, warum hier ständig Filmteams aufschlagen: prachtvolle Renaissancehäuser am Untermarkt, ein Jugendstil-Kaufhaus mit gläserner Kuppel, barocke Bürgerhäuser, ein Gründerzeit-Bahnhof – alles original erhalten, alles an einem Ort. Den Spitznamen Görliwood trägt die ostsächsische Stadt an der Neiße zu Recht: Mehr als hundert Film- und Fernsehproduktionen sind hier seit Jahrzehnten entstanden.

Ein Glücksfall der Geschichte

Das Geheimnis liegt in einem historischen Zufall. Während viele deutsche Städte im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört wurden, blieb Görlitz nahezu unversehrt. Heute zählt die Stadt rund 4.000 denkmalgeschützte Gebäude – ein Querschnitt durch fünf Jahrhunderte Baukunst von der Gotik über Renaissance und Barock bis zum Jugendstil. Nach der Wiedervereinigung wurde ein Großteil davon aufwendig saniert. Für Filmproduktionen ist das ideal: Görlitz kann Paris, Wien oder New York spielen, ohne dass teure Kulissen gebaut werden müssen.

Das berühmteste Gebäude: das Grand Budapest Hotel

Kein Ort ist so ikonisch wie das Jugendstil-Kaufhaus in der Berliner Straße. Das 1913 eröffnete Haus mit gläserner Kuppel stand jahrelang leer – bis Wes Anderson kam. Für „Grand Budapest Hotel" (Drehzeit 2012/2013) verwandelte sein Team das Kaufhaus in die opulente Lobby des fiktiven Hotels; Stars wie Ralph Fiennes, Jude Law und Bill Murray standen hier vor der Kamera. Der Film wurde mehrfach mit dem Oscar ausgezeichnet, das Kaufhaus zur Pilgerstätte für Filmfans.

Tarantino, Kate Winslet und die Bücherdiebin

Doch das ist nur die bekannteste Produktion. In Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds" (2009) lieferte Görlitz Schauplätze für die im besetzten Paris angesiedelte Handlung. Für den oscarprämierten „Der Vorleser" (2008) mit Kate Winslet wurde in der Stadt gedreht, und die eindringliche Bücherverbrennungsszene aus „Die Bücherdiebin" (2013) entstand am Untermarkt. Hinzu kommen Produktionen wie „Goethe!", „Die Vermessung der Welt" und „In 80 Tagen um die Welt". Seit einigen Jahren ist Görlitz zudem regelmäßig Schauplatz der ARD-Krimireihe „Wolfsland", wie Filmtourismus.de dokumentiert.

Auf den Spuren der Stars

Wer selbst durch Görliwood streifen möchte, folgt am besten dem „Walk of Görliwood": An den wichtigsten Drehorten erklären Tafeln, welche Szenen hier entstanden. Geführte Filmtouren führen zu Fuß zu den markantesten Schauplätzen. Doch der Untermarkt mit seinen Laubengängen, der barocke Brunnen und der mittelalterliche Rathausturm lohnen den Besuch ohnehin – ob man die Filme kennt oder nicht. Görlitz ist ein Ort, an dem Geschichte und Gegenwart, Deutschland und Polen auf engstem Raum zusammentreffen – und eben Hollywood und Ostsachsen.