Anfang 2025 stellte Microsoft seinen Quantenprozessor „Majorana 1" vor – und feierte ihn als historischen Meilenstein: angeblich der weltweit erste Chip mit sogenannten topologischen Qubits. Doch wie Spektrum der Wissenschaft berichtet, wächst in der Fachwelt die Skepsis, ob der angekündigte Durchbruch überhaupt einer ist.

Warum topologische Qubits so attraktiv wären

Die Recheneinheiten eines Quantencomputers – die Qubits – sind extrem empfindlich. Schon kleinste Störungen aus der Umgebung können die gespeicherte Quanteninformation zerstören; herkömmliche Systeme brauchen deshalb aufwendige Fehlerkorrektur. Topologische Qubits sollen dieses Problem an der Wurzel lösen: Sie beruhen auf speziellen Quantenzuständen (Majorana-Zuständen), bei denen die Information nicht an einem Punkt, sondern räumlich verteilt gespeichert wird. Das würde sie von Natur aus robuster gegen Fehler machen – und den Weg zu praktisch nutzbaren Quantenrechnern erheblich verkürzen.

Woran sich die Zweifel entzünden

Das Problem: Die experimentellen Belege überzeugen viele Fachleute nicht. Auffällig ist ein Detail im veröffentlichten Begutachtungsverfahren des zugehörigen Fachartikels in Nature – die Gutachter hielten ausdrücklich fest, dass die Ergebnisse „keinen Beweis für das Vorhandensein von Majorana-Zuständen" darstellten. Eine solche Einschränkung direkt im Peer-Review-Protokoll ist ungewöhnlich.

Gegenüber Physics World kritisierten Forschende vor allem die Kluft zwischen der vollmundigen Pressemitteilung und dem, was das Paper tatsächlich belegt. Hinzu kommt: Das von Microsoft genutzte Nachweisverfahren war zuvor von anderen Forschern als anfällig für falsch-positive Ergebnisse beschrieben worden – es kann demnach Majorana-Zustände anzeigen, wo keine sind.

Eine Vorgeschichte voller Rückschläge

Die Skepsis hat Wurzeln: Bereits ein früherer, von Microsofts Umfeld vorgelegter Majorana-Nachweis erwies sich als nicht reproduzierbar und wurde 2021 aus Nature zurückgezogen. Vor diesem Hintergrund wiegt es schwer, dass die Methodik erneut in der Kritik steht.

Microsofts Antwort

Microsoft weist die Kritik zurück und steht nach eigenen Angaben zu seinen Ergebnissen und seiner Roadmap; man verweist auf weitere Veröffentlichungen und Überprüfungen. Unstrittig ist: Die Debatte zeigt, wie groß die Erwartungen an Quantencomputer sind – und wie schmal der Grat zwischen einem echten Durchbruch und einer zu früh verkündeten Erfolgsmeldung verläuft.