Es ist ein Stück Computergeschichte, das auf dem Spiel steht. Das Zuse-Computer-Museum (ZCOM) in Hoyerswerda droht zum Jahresende zu schließen. Wie heise online berichtet, wollen die Stadt und die städtische Wohnungsgesellschaft ihre Zuschüsse streichen – dem Museum fehlt damit die Grundlage für den Betrieb.
Warum gerade Hoyerswerda
Die Stadt in der Lausitz trägt nicht ohne Grund den Ehrentitel „Konrad-Zuse-Stadt": Der Erfinder Konrad Zuse legte hier 1928 sein Abitur ab. Zuse gilt als Vater des modernen Computers – 1941 stellte er mit dem Z3 den ersten funktionsfähigen, frei programmierbaren Rechner der Welt vor, gebaut aus Telefonrelais und arbeitend im Binärsystem. Seit 1995 erinnert das ZCOM an dieses Erbe; 2017 wurde es nach einem aufwendigen Umbau an neuem Standort wiedereröffnet.
Eine seltene Sammlung
Was das Museum zeigt, gibt es so kaum ein zweites Mal: Originalrechner aus Zuses Werkstatt – darunter Z11, Z22 und Z23 – stehen neben einem Nachbau des mechanischen Z1 und dem Graphomat Z64, einem der ersten Plotter. Hinzu kommt eine umfangreiche Sammlung von Geräten der ostdeutschen Marke Robotron, die einst in den Betrieben und Tagebauen der Region im Einsatz waren – ein eigenes Kapitel deutscher Technikgeschichte.
Das Geld fehlt
Der Betrieb kostet jährlich einen sechsstelligen Betrag, den die Stadt nach Angaben von Antenne Sachsen angesichts knapper Kassen und vergleichsweise niedriger Besucherzahlen nicht länger tragen will. Den größten Beitrag leistete bislang die städtische Wohnungsgesellschaft, in deren Gebäude das Museum untergebracht ist. Fällt diese Förderung weg und beschließt der Stadtrat zusätzlich die Streichung des Zuschusses, droht die Schließung zum Jahresende.
Mehr als nur ein Lokalmuseum
In der Fachwelt löst die drohende Schließung Besorgnis aus. Das ZCOM ist eines der wenigen Häuser, das Originalgeräte Konrad Zuses zeigt und sie in den Zusammenhang der ostdeutschen Rechentechnik stellt. Es bewahrt damit technisches Kulturgut, das andernorts schlicht nicht existiert. Dass ausgerechnet das Erbe des Mannes, dessen Werk die digitale Welt mitbegründete, an kommunalen Haushaltszwängen scheitern könnte, ist eine bittere Pointe der Geschichte.



