Es sind die Nächte, in denen die Luft auch nach Sonnenuntergang noch warm auf der Haut liegt – und plötzlich tanzen kleine Lichter durch das Dunkel. Glühwürmchen, genauer: Leuchtkäfer, gehören zu den faszinierendsten Erscheinungen des Hochsommers. Rund um den Johannistag (24. Juni) erreicht ihre Saison den Höhepunkt.
Kein Glühen, sondern kaltes Licht
Der Name täuscht: Glühwürmchen glühen nicht. Sie erzeugen ihr Licht durch Biolumineszenz – eine biochemische Reaktion, bei der der Leuchtstoff Luciferin mithilfe des Enzyms Luciferase und Sauerstoff in nahezu wärmefreies Licht umgewandelt wird. Der Wirkungsgrad ist außergewöhnlich hoch: Fast die gesamte eingesetzte Energie wird in Licht umgesetzt, kaum etwas geht als Wärme verloren – weit effizienter als eine herkömmliche Glühbirne.
Ein Liebesruf in Licht
Wozu das Leuchten? Es ist im Kern ein Ruf um Liebe. Beim Großen Leuchtkäfer (Lampyris noctiluca), dem klassischen heimischen Glühwürmchen, sitzen die flugunfähigen Weibchen leuchtend im Gras und locken die fliegenden Männchen an. Beim Kleinen Leuchtkäfer, dem Johanniswürmchen, fliegen umgekehrt die Männchen blinkend durch die Nacht. Jede Art hat ihren eigenen Code aus Blinkrhythmus und Lichtfarbe. Das Schauspiel beginnt meist gegen 22 Uhr und ebbt um Mitternacht wieder ab.
Drei Jahre für einen Sommer
Das kurze Funkeln steht am Ende eines langen Lebens im Verborgenen: Mehrere Jahre verbringen Leuchtkäfer als Larven am Boden, wo sie vor allem Schnecken jagen. Die erwachsenen Tiere nehmen kaum noch Nahrung auf und leben nur wenige Tage bis Wochen – gerade lang genug für die Fortpflanzung. Heiße, schwüle Sommernächte fördern ihre Aktivität, weshalb gerade laue Juniabende zur Hochzeit der Paarungsflüge zählen.
Ein Licht, das verblasst
Doch das Leuchten der Nacht ist bedroht. Die Bestände der Leuchtkäfer gehen vielerorts zurück. Als Hauptursachen gelten Lichtverschmutzung, Pestizide – besonders Schneckengift, das die Nahrung der Larven vernichtet – und der Verlust naturnaher Lebensräume. Künstliche Beleuchtung überstrahlt zudem die feinen Leuchtsignale und stört so die Partnersuche.
Wer Glühwürmchen helfen will, kann im eigenen Garten viel tun: Der BUND empfiehlt, Wiesenstreifen über den Sommer stehen zu lassen, auf Schneckengift zu verzichten, Totholz und Steinhaufen als Unterschlupf anzubieten und die nächtliche Beleuchtung auf ein Minimum zu reduzieren. Sehen kann man die Käfer dann am besten dort, wo es richtig dunkel ist – an Waldrändern, Bachufern und alten Wiesen, fernab der Straßenlaternen.



