Der Übernahmekampf um die Commerzbank tritt in eine schärfere Phase. Wie Börse Express berichtet, hat bislang nur gut ein Zehntel der Aktionäre das Tauschangebot der italienischen Großbank Unicredit angenommen – weit weniger, als die Mailänder für einen Erfolg brauchen.
Mageres Echo auf das Angebot
Unicredit bietet 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Papier. Bis zum ersten Fristende hatte nur ein niedriger zweistelliger Prozentsatz der Anteilseigner zugestimmt; die Annahmefrist wurde daraufhin bis zum 3. Juli 2026 verlängert. Der Commerzbank-Vorstand hält das Angebot für zu niedrig und spricht von einem deutlichen Abschlag auf den fairen Unternehmenswert.
Betriebsrat erstattet Strafanzeige
Die schärfste Eskalation kommt vom Gesamtbetriebsrat: Er erstattet Strafanzeige gegen Unicredit nach den Paragrafen 119 und 120 des Wertpapierhandelsgesetzes – wegen des Verdachts der Marktmanipulation. Die Commerzbank erklärt, sie habe keinen einzigen institutionellen Investor identifizieren können, der freiwillig Aktien eingereicht habe; zugleich habe sich die Wertpapierleihe für Commerzbank-Aktien seit der Angebotsankündigung mehr als verzehnfacht. Die Bank hat die Finanzaufsicht BaFin um Prüfung gebeten. Unicredit weist die Vorwürfe zurück und betont, alle Angaben seien rechtskonform.
Politik und Belegschaft auf Distanz
Die Commerzbank steht im Abwehrkampf nicht allein. Die Bundesregierung, mit rund zwölf Prozent zweitgrößte Anteilseignerin, hat erklärt, ihre Aktien nicht anzudienen, und tritt für eine eigenständige Bank ein. Auch die Gewerkschaft ver.di und der Betriebsrat warnen vor einem Zusammenschluss: Bei einer Fusion mit Unicredits deutschem Ableger Hypovereinsbank stünden nach ver.di-Schätzung Tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel.
Eine Saga seit 2024
Der Vorstoß begann im September 2024, als Unicredit überraschend bei der Commerzbank einstieg und ihren Anteil über Aktien und Derivate schrittweise auf knapp 30 Prozent ausbaute. Im Frühjahr 2026 legte die Bank schließlich ihr formales Tauschangebot vor. Ob die verlängerte Frist eine Wende bringt oder der bislang größte Bankenübernahmeversuch der deutschen Nachkriegsgeschichte an der vereinten Front aus Management, Gewerkschaft, Bundesregierung und zurückhaltenden Großinvestoren scheitert, dürfte sich in den kommenden Tagen zeigen.



