Der industrielle Kern Deutschlands schrumpft. Nach Auswertungen des Branchendienstes O-Ton Arbeitsmarkt auf Basis amtlicher Daten gingen im Verarbeitenden Gewerbe 2025 rund 124.000 Stellen verloren – ein Rückgang von etwa 2,3 Prozent. Seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 summiert sich der Verlust auf mehr als eine Viertelmillion Arbeitsplätze.

Die Autobranche trägt die Hauptlast

Keine Branche verliert so stark wie die Automobilindustrie. Allein 2025 fielen dort rund 50.000 Stellen weg; seit 2019 sind es mehr als 100.000. Besonders die Zulieferer geraten unter Druck. Zum Ende des dritten Quartals 2025 arbeiteten in der Autoindustrie nur noch gut 720.000 Menschen – der niedrigste Stand seit Jahren. Auch Maschinenbau, Metall- und Textilindustrie bauten Personal ab, während Chemie, Pharma und Elektroindustrie zuletzt leicht zulegten.

Sachsen besonders betroffen

Unter den Bundesländern zeigt Sachsen den stärksten Einbruch. Wie ZDFheute berichtet, verlor der Freistaat binnen eines Jahres rund 15.000 Industriearbeitsplätze – mehr als jedes andere Bundesland; seit 2019 sind es rund 23.000.

Hinter den Zahlen stehen konkrete Fälle: Der Werkzeughersteller Bosch will am Standort Sebnitz bis zum Jahresende rund 250 Stellen abbauen und die Produktion nach Ungarn verlagern. Das Volkswagenwerk in Zwickau mit rund 8.500 Beschäftigten steht im Umbau zur Elektromobilität unter Druck. Einen Lichtblick bietet BMW in Leipzig, das mit einem Mix aus Verbrenner- und Elektrofertigung zuletzt Rekordwerte erreichte.

Die Ursachen

Die Gründe verstärken sich gegenseitig: hohe Energiekosten, die besonders energieintensive Branchen belasten; wachsender Wettbewerb aus China, vor allem bei Elektroautos; ein schleppender Hochlauf der E-Mobilität; schwache Nachfrage und gestiegene Kosten. Auch Bürokratie und der demografische Wandel werden als Faktoren genannt.

Hoffnung in neuen Branchen

Während klassische Industriejobs wegfallen, entstehen anderswo neue. Am Rand von Dresden wächst eines der größten Chip-Cluster Europas, das langfristig bis zu 24.000 Arbeitsplätze schaffen könnte – allerdings mit anderem Qualifikationsprofil als die wegfallenden Stellen. Der Strukturwandel zeichnet die industrielle Landkarte Deutschlands neu: Der Weg zurück führt, wenn überhaupt, über neue Industrien statt über die alten.