Die Temperaturen klettern dieser Tage verbreitet auf 30 bis 38 Grad, im Südwesten örtlich auf bis zu 40 Grad. Was sich für viele nach Freibad anfühlt, kann für bestimmte Menschen lebensbedrohlich werden. Das Robert Koch-Institut weist darauf hin, dass in Hitzewellen die Sterblichkeit messbar steigt – betroffen sind vor allem Menschen mit Vorerkrankungen.
Wer besonders gefährdet ist
Nicht alle reagieren gleich auf extreme Wärme. Als besonders gefährdet gelten:
- Ältere Menschen, vor allem über 75-Jährige: Ihr Körper reguliert die Temperatur schlechter, und das Durstgefühl lässt mit dem Alter nach.
- Säuglinge und Kleinkinder, deren Wärmeregulation noch nicht ausgereift ist.
- Menschen mit Vorerkrankungen an Herz, Kreislauf, Nieren oder Lunge sowie Diabetiker – das Herz muss bei Hitze härter arbeiten.
- Menschen, die bestimmte Medikamente einnehmen (etwa Entwässerungs- oder Blutdruckmittel, Psychopharmaka): Diese können die Hitzetoleranz senken. Wichtig: Medikamente nie eigenmächtig absetzen, sondern in der Praxis nachfragen.
- Schwangere sowie allein lebende und obdachlose Menschen, die im Ernstfall niemanden haben, der nach ihnen sieht.
Hitzeerschöpfung oder Hitzschlag?
Die Übergänge sind fließend, doch der Unterschied entscheidet:
- Hitzeerschöpfung: Schwindel, Schwäche, starkes Schwitzen, Übelkeit, Kopfschmerzen. Der Körper ist überlastet, schwitzt aber noch.
- Hitzschlag: die gefährlichste Stufe. Die Körpertemperatur steigt unkontrolliert, die Haut wird heiß und trocken, Schwitzen setzt aus, dazu kommen Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit. Das ist ein Notfall – sofort den Notruf 112 wählen.
Erste Hilfe beim Hitzschlag laut Deutschem Rotem Kreuz: die Person in den Schatten bringen, Notruf wählen, den Körper mit feuchten Tüchern kühlen (kein Eis direkt auf die Haut) und – nur bei vollem Bewusstsein – Flüssigkeit anbieten.
Was Trinken wirklich bringt
Rund ums Trinken halten sich einige Missverständnisse:
- Wie viel? An heißen Tagen steigt der Bedarf deutlich; für die meisten Menschen sind zwei bis drei Liter sinnvoll – außer es sprechen Herz- oder Nierenerkrankungen dagegen. Wer Medikamente nimmt, die den Wasserhaushalt beeinflussen, sollte den Bedarf ärztlich klären.
- Was? Am besten Leitungs- oder Mineralwasser, ungesüßte Tees und Saftschorlen. Alkohol ist kein Durstlöscher – er entzieht dem Körper Flüssigkeit und belastet den Kreislauf zusätzlich.
- Eiskalt? Eiskalte Getränke sind weniger ideal, weil sie den Körper zu zusätzlichem Schwitzen anregen. Lauwarme oder leicht gekühlte Getränke sind verträglicher.
- Elektrolyte? Wer nur moderat schwitzt, nimmt verlorene Mineralstoffe über normale Mahlzeiten wieder auf. Spezielle Elektrolytgetränke sind für Gesunde im Alltag meist unnötig; bei sehr starkem Schwitzen helfen Brühe oder eine Saftschorle.
- Ältere zuerst: Weil das Durstgefühl im Alter nachlässt, sollten Ältere auch ohne Durst regelmäßig trinken – etwa, indem sie Gläser in Sichtweite aufstellen.
Praktische Schutzmaßnahmen
Tagsüber abdunkeln und nur nachts oder früh lüften; anstrengende Tätigkeiten in die kühlen Stunden verlegen; kühle öffentliche Orte aufsuchen; auf allein lebende Nachbarn achten; und Kinder oder Tiere niemals im geparkten Auto zurücklassen. Bei Anzeichen eines Hitzschlags – Verwirrtheit, heiße trockene Haut trotz großer Hitze – zählt jede Minute: sofort die 112 wählen.



