Wie viele Großstädte gibt es eigentlich auf der Welt? Die Antwort hängt davon ab, wie man eine Großstadt überhaupt definiert. In Deutschland gilt amtlich jede Stadt ab 100.000 Einwohnern als Großstadt; international reichen die Schwellenwerte von wenigen hundert bis zu mehreren zehntausend Einwohnern. Das macht globale Vergleiche schwierig – bis jetzt.

Eine Datenbank, ein einheitlicher Maßstab

Wie heise online berichtet, zählt die Urban Centre Database (UCDB R2024A) der Europäischen Kommission weltweit 11.422 urbane Zentren. In ihnen leben zusammen rund 3,685 Milliarden Menschen – also fast die Hälfte der Menschheit.

Die Datenbank entstand im Rahmen des Erdbeobachtungsprogramms Copernicus und des Global Human Settlement Layer. Sie legt einen rein physischen Maßstab an: Die Erdoberfläche wird in ein Raster aus Quadratkilometern zerlegt. Als urbanes Zentrum gilt ein zusammenhängendes Gebiet, dessen Zellen eine Dichte von mindestens 1.500 Einwohnern pro Quadratkilometer erreichen und in der Summe auf mindestens 50.000 Einwohner kommen. Politische Stadtgrenzen spielen dabei keine Rolle – gemessen wird die tatsächliche Bebauungs- und Bevölkerungsdichte.

China und Indien an der Spitze

Die Verteilung ist stark ungleich: Auf China entfallen knapp 2.000 urbane Zentren, auf Indien über 1.900. Deutschland kommt auf 99 Großstädte und liegt damit auf Rang 22.

Auch bei den Einzelstädten sortiert die Methode die gewohnten Ranglisten neu. Größte Stadt ist demnach Guangzhou in China mit rund 43 Millionen Menschen, gefolgt von Jakarta (41 Millionen) und Dhaka (37 Millionen). Tokio kommt auf 33, Neu-Delhi auf 31 Millionen. Berlin landet mit etwa 3,5 Millionen Einwohnern weit außerhalb der Top 100. Dass Guangzhou hier vorn liegt, überrascht manchen – in vielen populären Listen taucht die Stadt seltener an der Spitze auf, weil dort entlang von Verwaltungsgrenzen gezählt wird.

Eine Welt, die in die Stadt zieht

Die Zahlen fügen sich in einen langen Trend: Vor gut zwei Jahrhunderten lebte nur ein kleiner Teil der Menschheit in Städten, 2007 überschritt die städtische Bevölkerung weltweit erstmals die ländliche. Nach den Projektionen der Vereinten Nationen dürfte der Anteil weiter steigen.

Die 11.422 sind dabei keine endgültige Wahrheit, sondern das Ergebnis einer methodischen Entscheidung. Zählt man strenger, schrumpft die Liste; zählt man weiter gefasst, wächst sie. Der Wert des Copernicus-Ansatzes liegt darin, dass er weltweit denselben Maßstab anlegt – und damit erstmals einen fairen Vergleich zwischen den Städten der Erde erlaubt.