Der Darmstädter Pharma- und Technologiekonzern Merck KGaA baut sein Laborgeschäft mit einem Milliardenzukauf aus. Wie Bloomberg Law berichtet, übernimmt Merck den US-amerikanischen Life-Science-Spezialisten Bio-Techne für rund 11,3 Milliarden US-Dollar (etwa 9,9 Milliarden Euro).

Nicht zu verwechseln

Wichtig zur Einordnung: Käuferin ist die Merck KGaA aus Darmstadt – der deutsche, im DAX notierte Konzern. Sie ist nicht zu verwechseln mit dem US-Pharmariesen Merck & Co. (in vielen Ländern als MSD bekannt), einem rechtlich und operativ völlig eigenständigen Unternehmen, das denselben Namen trägt.

Was Bio-Techne macht

Bio-Techne mit Hauptsitz in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota stellt Werkzeuge und Technologien für Forschungs- und Diagnostiklabore her – darunter Proteine, Antikörper, Reagenzien sowie Geräte für die Proteinanalyse und für die sogenannte räumliche Biologie. Laut Merck-Pressemitteilung setzte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2025 mehr als 1,2 Milliarden Dollar um und beschäftigt rund 3.000 Menschen. Geboten werden 73 Dollar je Aktie in bar – ein Aufschlag von rund 36 Prozent auf den jüngsten Durchschnittskurs.

Strategie: die dritte Säule stärken

Für Merck ist die Übernahme ein konsequenter Ausbau der Life-Science-Sparte, die neben dem Pharma- und dem Elektronikgeschäft eine der drei Säulen des Konzerns bildet. Mit Bio-Techne will Merck in besonders wachstumsstarken Feldern aufholen: räumliche Biologie, Zell- und Gentherapie sowie Präzisionsdiagnostik. Der Schritt erinnert an den Kauf des US-Laborzulieferers Sigma-Aldrich, mit dem Merck 2015 für rund 13 Milliarden Euro die heutige Life-Science-Sparte zum globalen Schwergewicht ausbaute.

Finanzierung und Zeitplan

Den Kaufpreis will Merck aus Barmitteln und neuen Schulden finanzieren und dabei sein solides Kreditrating halten. Aus dem Zusammenschluss erhofft sich der Konzern jährliche Einsparungen von rund 140 Millionen Euro. Die Gremien beider Unternehmen haben dem Geschäft zugestimmt; der Abschluss wird für Ende 2026 oder Anfang 2027 erwartet – vorbehaltlich der Zustimmung der Bio-Techne-Aktionäre und der Kartellbehörden.