Die Deutsche Bahn bekommt einen neuen Kurs. Bahnchefin Evelyn Palla, die den Konzern seit dem 1. Oktober 2025 als erste Frau an der Spitze führt, hat einen Sanierungsplan vorgelegt, der in drei Phasen über rund zehn Jahre angelegt ist. Wie das Handelsblatt berichtet, will sie damit den von Investitionsstau, Unpünktlichkeit und Schulden geplagten Staatskonzern Schritt für Schritt in Ordnung bringen.

Phase 1: schlankere Organisation

Den Auftakt macht der Umbau der Konzernstruktur. Palla verordnet der Zentrale eine Verschlankung: Die Zahl der Organisationseinheiten auf der ersten Führungsebene wird nach Konzernangaben etwa halbiert, eine Managementebene zwischen Vorstand und operativem Betrieb entfällt. Regionalmanager sollen mehr Entscheidungsbefugnis erhalten und stärker an Qualität und Wirtschaftlichkeit gemessen werden. Dieses dezentrale Prinzip kennt Palla aus ihrer Zeit als Chefin von DB Regio. Mehrere Sofortprogramme sollen schon kurzfristig für mehr Sauberkeit, Sicherheit und bessere Information an Bahnhöfen sorgen.

Phase 2: die Infrastruktur

Die zweite Phase widmet sich dem Kernproblem – dem maroden Schienennetz. Über 40 besonders belastete Korridore sollen in den kommenden Jahren grundlegend erneuert werden, vielfach durch gebündelte Vollsperrungen, um die Arbeiten zu beschleunigen. Wie ZDFheute berichtet, rechnet Palla damit, dass die Sanierung der Schiene insgesamt etwa zehn Jahre dauern wird. Beim Vorzeigeprojekt der generalsanierten Strecke Hamburg–Berlin kam es bereits zu Verzögerungen.

Phase 3: spürbar für die Fahrgäste

Die dritte Phase soll die Reisenden überzeugen. Palla peilt im Fernverkehr eine Pünktlichkeitsquote von mindestens 80 Prozent an – bewusst niedriger angesetzt als frühere, von ihr als unrealistisch bezeichnete Versprechen. Ihre Linie lautet: weg von leeren Ankündigungen, hin zu nachweisbarer Zuverlässigkeit und wirtschaftlicher Tragfähigkeit.

Ein langer Weg

Dass der Umbau kein Selbstläufer ist, zeigt schon die Ausgangslage: Pünktlichkeitsprobleme, ein riesiger Sanierungsstau und hohe Schulden lasten auf dem Konzern. Auch im Management gab es zuletzt Wechsel – unter anderem übernahm ein neuer Finanzvorstand. Ob Pallas Dreistufenplan den Befreiungsschlag bringt, wird sich erst über Jahre zeigen.