Bei der irischen Billigfluglinie Ryanair galt bisher: Wer mit kleinen Kindern reiste, musste für mindestens einen Erwachsenen einen kostenpflichtigen Sitzplatz buchen, damit die Kinder kostenlos daneben sitzen durften. Diese Praxis ändert sich nun. Wie RTÉ berichtet, bietet Ryanair Familien mit kleinen Kindern künftig auch ohne solche Pflichtreservierung kostenlose, zusammenhängende Sitzplätze an – die Zuteilung erfolgt dann automatisch beim Check-in.

Druck von Behörden und Gerichten

Der Kurswechsel kommt nicht von ungefähr. In Großbritannien hatte die Wettbewerbsbehörde CMA eine Untersuchung gegen Ryanair eingeleitet und prüft, ob die Gebührenpraxis bei Familiensitzplätzen gegen Verbraucherschutzrecht verstößt. Ryanair wies die Vorwürfe als „haltlos" zurück und betonte, die bisherige Regelung sei rechtmäßig. Hinzu kam Anfang 2026 ein belgisches Gerichtsurteil, das Teile der Preisdarstellung des Unternehmens als irreführend einstufte.

EU-Reform als Hintergrund

Parallel arbeitet die Europäische Union an einer Reform der Fluggastrechte. Nach einer Einigung im Juni 2026 sollen Kinder künftig ohne Aufpreis neben ihren Eltern sitzen dürfen; Ähnliches ist für Schwangere sowie Menschen mit Behinderung und ihre Begleitung vorgesehen. Wie die Verbraucherzentrale erläutert, müssen die Regeln noch abschließend bestätigt werden und treten nach einer Übergangsfrist voraussichtlich erst 2027 in Kraft – dann aber für alle in der EU operierenden Airlines.

Ein Problem der ganzen Branche

Ryanair ist in der Debatte besonders prominent, doch das Thema betrifft viele Anbieter. Nach einer Untersuchung des europäischen Verbraucherverbands BEUC zahlen vierköpfige Familien bei zahlreichen Airlines im Schnitt mehrere Dutzend bis über hundert Euro extra, nur um zusammenzusitzen. Dass Ryanair seine Regeln nun freiwillig lockert – noch bevor die EU-Pflicht greift – werten Verbraucherschützer als Etappensieg, mahnen aber zugleich eine konsequente Umsetzung der neuen Rechte für alle Fluggesellschaften an.