Die Europäische Kommission verschärft den Druck auf die großen Cloud-Anbieter. Wie heise online berichtet, ist die Behörde zu dem vorläufigen Schluss gekommen, dass Amazon Web Services (AWS) und Microsoft Azure als sogenannte Torwächter („Gatekeeper") nach dem Digital Markets Act (DMA) eingestuft werden sollten.

Eine Einstufung mit Besonderheit

Bemerkenswert ist der Weg dorthin: Beide Dienste verfehlen eigentlich die festen quantitativen Schwellenwerte des DMA, die sich an Nutzer- und Umsatzzahlen orientieren. Dennoch sieht die Kommission in AWS und Azure ein „Nadelöhr" zwischen Unternehmen und deren Endkunden. Begründet wird das mit der operativen Kapazität, den enormen Investitionen und der über Jahre zementierten Marktführerschaft der beiden Konzerne. Vorausgegangen war eine Marktuntersuchung, die die Kommission im November 2025 eingeleitet hatte.

Worum es inhaltlich geht

Im Mittelpunkt stehen Praktiken, die einen Anbieterwechsel erschweren: Lock-in-Effekte und hohe Wechselkosten, wenn Kunden ihre Daten zu einem Konkurrenten übertragen wollen, sowie die enge vertikale Integration eigener Dienste. Besonders bei KI-Werkzeugen profitierten die Konzerne davon, dass Kunden die Nachfrage nach KI-Diensten fast vollständig innerhalb des jeweiligen Ökosystems decken müssten – ein Hindernis für Wettbewerber und kleinere europäische Anbieter.

Was den Unternehmen droht

Nach einem offiziellen Beschluss hätten AWS und Microsoft sechs Monate Zeit, ihre Cloud-Dienste an die Vorgaben des DMA anzupassen – darunter bessere Interoperabilität und Datenmobilität, damit Kunden Daten und Anwendungen leichter mitnehmen können. Verstöße gegen den DMA können die Kommission grundsätzlich mit Bußgeldern von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes ahnden, im Wiederholungsfall mit bis zu 20 Prozent.

Einordnung

Sollte die vorläufige Einstufung bestätigt werden, wäre es das erste Mal, dass die Kommission Unternehmen über die qualitativen Kriterien des DMA zu Torwächtern erklärt. Für den europäischen Cloud-Markt, der von wenigen US-Konzernen dominiert wird, könnte das tiefgreifende Folgen haben – und als Vorbild für ähnliche Regulierung in anderen Weltregionen dienen.