Der US-amerikanische Supreme Court hat dem Bayer-Konzern in seinem jahrelangen Rechtsstreit um den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup einen weitreichenden Sieg beschert. Wie Bloomberg Law berichtet, entschied das höchste US-Gericht mit sieben zu zwei Stimmen, dass Schadensersatzklagen wegen einer angeblich fehlenden Krebswarnung auf dem Produktetikett durch das US-Bundesrecht verdrängt werden.

Worum es ging

Konkret berief sich die Mehrheit auf das US-Bundespestizidgesetz FIFRA, das eine bundeseinheitliche Kennzeichnung von Pflanzenschutzmitteln vorschreibt. Einzelstaatliche Klagen, die ein zusätzliches oder abweichendes Warnhinweis-Etikett verlangen, seien damit unvereinbar – so die von Richter Brett Kavanaugh verfasste Mehrheitsmeinung. Mit dem Urteil im Fall Monsanto v. Durnell wurde ein zuvor zugesprochenes Urteil über 1,25 Millionen Dollar gegen Bayer aufgehoben. Die Richterin Ketanji Brown Jackson und Richter Neil Gorsuch widersprachen; das Urteil verschließe Geschädigten ohne ausreichende Begründung den Weg zu den Gerichten.

Ein Milliardenproblem seit der Monsanto-Übernahme

Die Glyphosat-Klagen lasten auf Bayer, seit der Konzern 2018 den US-Saatgutriesen Monsanto für rund 63 Milliarden Dollar übernahm – ein Geschäft, das sich zum juristischen Dauerproblem entwickelte. Kläger führen Roundup auf eine Krebserkrankung (Non-Hodgkin-Lymphom) zurück. Bayer hat nach eigenen Angaben bereits mehr als zehn Milliarden Dollar für Vergleiche aufgewendet; Zehntausende Klagen sind weiter anhängig.

Der wissenschaftliche Streit um das Krebsrisiko bleibt offen: Die US-Umweltbehörde EPA stuft Glyphosat als nicht krebserregend ein und verlangt keine Krebswarnung. Die Krebsforschungsagentur der WHO (IARC) hatte den Stoff dagegen 2015 als „wahrscheinlich krebserregend" eingeordnet – ein zentrales Argument der Kläger.

Erleichterung an der Börse

Die Finanzmärkte reagierten prompt: Die Bayer-Aktie legte in Frankfurt zweistellig zu, zeitweise um rund 17 Prozent. Konzernchef Bill Anderson bezeichnete das Urteil als gut für Wissenschaft, Landwirte und regulatorische Klarheit; es helfe, den Roundup-Rechtsstreit nach fast einem Jahrzehnt deutlich einzudämmen.

Was bleibt

Für die verbliebenen Verfahren gilt das Urteil als richtungsweisend: Klagen, die allein auf das Argument der fehlenden Warnung gestützt sind, dürften künftig kaum noch Erfolg haben. Ob Kläger auf anderen rechtlichen Wegen weiterkommen – etwa mit dem Vorwurf, Risiken seien bewusst verschwiegen worden –, bleibt abzuwarten. Für Bayer ist die Entscheidung nach Jahren der Milliardenlasten dennoch eine fundamentale Erleichterung.