Es war eine der größten Störungen im deutschen Bahnverkehr seit Jahren: In der Nacht zum 24. Juni stand der Zugverkehr bundesweit für rund zwei Stunden still, weil der digitale Bahnfunk GSM-R ausfiel. Nun hat die Deutsche Bahn die Ursache benannt. Wie das Handelsblatt berichtet, war ein Softwarefehler bei einer planmäßigen Wartung der Auslöser.
Was passiert ist
Gegen 22:30 Uhr hielt die Bahn alle Züge an – wo möglich in Bahnhöfen, sonst auf offener Strecke. Erst nach etwa zwei Stunden lief der Betrieb wieder an. Auslöser war laut Bahn der planmäßige Tausch einer Netzwerkkomponente im GSM-R-System. Dabei trat ein Softwarefehler auf, der keine automatische Fehlermeldung auslöste – und das eigentlich vorhandene Redundanzsystem schaltete nicht selbsttätig um. Ein manueller Eingriff war nötig, der sich zunächst verzögerte, weil ein Cyberangriff ausgeschlossen werden musste (ZDFheute).
Warum kein Zug ohne Funk fährt
GSM-R ist der europäische Standard für die Funkverbindung zwischen Lokführern und Fahrdienstleitern. Ohne diese Kommunikation dürfen Züge aus Sicherheitsgründen nicht fahren – das System ist sicherheitskritisch, kein Komfort. Es basiert auf 2G-Mobilfunktechnik aus den 1990er-Jahren und gilt Fachleuten seit Längerem als überaltert und störanfällig.
Konsequenzen
Die Bahn kündigte an, bis zur vollständigen Klärung keine weiteren Komponenten im GSM-R-System auszutauschen und Wartungen künftig nur in den verkehrsarmen Nachtstunden am nicht aktiven System vorzunehmen. Den Vorfall werde man „mit höchster Priorität" aufarbeiten. Mittelfristig soll der Nachfolgestandard FRMCS auf 5G-Basis das alte System ablösen – mit der vollständigen Umrüstung wird aber erst im Lauf der 2030er-Jahre gerechnet.



