Noch hält die Schneedecke – aber nur knapp. Wie Spektrum der Wissenschaft berichtet, könnten die winterlichen Schneereserven auf den Schweizer Gletschern schon Ende Juni aufgebraucht sein. Ab diesem „Gletscherschwundtag" verlieren die Gletscher nicht mehr nur Schnee, sondern Eissubstanz. Die aktuelle Hitzewelle und ein schneearmer Winter lassen den Punkt in diesem Jahr früh kommen.

Warum Schnee die Gletscher schützt

Entscheidend ist der Albedo-Effekt: Frischer Schnee reflektiert einen Großteil des Sonnenlichts und wirkt wie ein Sonnenschutz für das darunterliegende Eis. Gletschereis ist deutlich dunkler, nimmt mehr Energie auf und schmilzt schneller. Schmilzt die schützende Schneedecke zu früh weg, ist das Eis länger der Sommersonne ausgesetzt – und der Verlust steigt überproportional. Saharastaub und Algen auf der Oberfläche verstärken den Effekt zusätzlich.

Rekordverluste als Maßstab

Die jüngere Vergangenheit zeigt das Ausmaß: 2022 verloren die Schweizer Gletscher rund sechs Prozent ihrer Masse – der stärkste Rückgang seit Messbeginn –, 2023 folgten rund vier Prozent. Seit 2015 hat sich ihr Volumen um etwa ein Viertel verringert; über tausend kleine Gletscher sind seit den 1970er-Jahren ganz verschwunden (SRF/GLAMOS).

Deutschlands Gletscher fast am Ende

In Bayern ist die Lage noch dramatischer. Der Nördliche Schneeferner an der Zugspitze – einst Deutschlands größter Gletscher – verlor zuletzt in einem einzigen Sommer mehrere Meter Eisdicke. Fachleute rechnen damit, dass der letzte bayerische Gletscher in den 2030er-Jahren verschwindet.

Mehr als ein Postkartenmotiv

Die Folgen reichen weit: Gletscher speichern Winterwasser und geben es im Sommer langsam ab – sie puffern Niedrigwasser in Flüssen wie Rhein, Inn und Rhône. Schwinden sie, drohen häufigere Trockenphasen mit Folgen für Landwirtschaft, Trinkwasser und Ökosysteme im gesamten Alpenraum. Was als Bild vom „ewigen Eis" galt, wird absehbar Geschichte.