Am 25. Juni 2026 bestätigte das US-amerikanische Spielestudio Bungie, was viele Beobachter schon länger befürchtet hatten: Nach dem endgültigen Entwicklungsstopp für Destiny 2 verliert ein großer Teil der Belegschaft den Arbeitsplatz. Wie heise online berichtet, trifft es nach Angaben von Sony-Manager Hermen Hulst den Großteil des Destiny-Teams, Teile des Marathon-Teams sowie einzelne Beschäftigte der Konzernmutter Sony Interactive Entertainment.

292 bestätigte Stellen – und vermutlich mehr

Konkret belegt ist die Zahl durch ein sogenanntes WARN-Filing, eine in den USA gesetzlich vorgeschriebene Meldung größerer Entlassungen, beim Arbeitsministerium des Bundesstaates Washington: Allein am Hauptsitz in Bellevue bei Seattle werden demnach 292 Stellen gestrichen. Branchenberichten zufolge könnte die tatsächliche Gesamtzahl noch höher liegen – das Studioteam war zuletzt auf rund 800 Beschäftigte geschrumpft.

In einer Stellungnahme räumte das Studio ein, Destiny 2 sei „hinter den Erwartungen" zurückgeblieben (Dexerto). Das letzte größere Update des Online-Shooters, Monument of Triumph, war am 9. Juni 2026 erschienen. Damit ist die inhaltliche Weiterentwicklung des Spiels offiziell beendet; ein Destiny 3 ist nicht angekündigt.

Drei Wellen seit der Übernahme

Die aktuellen Kündigungen sind kein Einzelfall, sondern der vorläufige Tiefpunkt einer längeren Talfahrt. Seit Sony Bungie im Jahr 2022 für 3,6 Milliarden US-Dollar übernommen hat, ist die Belegschaft in mehreren Schüben dramatisch geschrumpft: Im Oktober 2023 verloren rund 100 Personen ihren Job, im Juli 2024 folgten weitere 220 Kündigungen, hinzu kamen etwa 155 Mitarbeitende, die zu Sony Interactive Entertainment versetzt wurden. Rechnet man die jüngste Welle hinzu, wurden seit der Übernahme insgesamt mehr als 600 Stellen abgebaut.

Eine Milliarden-Abschreibung

Die finanzielle Dimension ist beträchtlich. Sony verbuchte für das Geschäftsjahr bis Ende März 2026 eine Wertberichtigung von 765 Millionen US-Dollar auf die Bungie-Beteiligung. Davon entfielen laut Konzernangaben rund 200 Millionen US-Dollar auf das schwache Abschneiden von Destiny 2 und etwa 565 Millionen US-Dollar auf den enttäuschenden Start des Extraction-Shooters Marathon, der im März 2026 für rund 40 Euro erschienen war, die kommerziellen Erwartungen aber deutlich verfehlte. Weitere Abschreibungen im laufenden Geschäftsjahr schließt Sony nicht aus.

Dabei galt Bungie einst als Branchengröße: Das Studio hatte mit Halo eine prägende Konsolenmarke geschaffen und mit Destiny über mehr als ein Jahrzehnt eine der erfolgreichsten Live-Service-Reihen betrieben. Doch stagnierende Spielerzahlen und ein übersättigter Markt für Online-Shooter zehrten zuletzt an der Substanz.

Marathon als letzte Hoffnung

Einen Rest Zuversicht ließ Sony durchblicken: Man wolle weiter hinter Marathon stehen und sehe in dem Titel noch kreative Möglichkeiten. Konkrete Pläne für eine Neuausrichtung oder künftige Inhalte nannte der Konzern jedoch nicht. Für die Hunderten Beschäftigten, die nun ihren Arbeitsplatz verlieren, kommt diese Aussicht ohnehin zu spät.

Für die Spielebranche reiht sich der Fall Bungie in eine längere Serie von Massenentlassungen ein – und nährt die Debatte über die Risiken teurer Studio-Übernahmen und des Live-Service-Modells, bei dem einzelne Großprojekte unter enormem Erfolgsdruck stehen. Destiny 2 bleibt als Online-Spiel vorerst spielbar, neue Inhalte aber wird es nicht mehr geben.