Ein technischer Defekt hat in dieser Woche den Bahnverkehr in Deutschland zeitweise zum Erliegen gebracht – und eine sicherheitspolitische Debatte neu entfacht. Nach Angaben der Deutschen Bahn war bei der Wartung einer Kernkomponente des digitalen Bahnfunks GSM-R ein Fehler aufgetreten. Einen Cyberangriff schloss das Unternehmen aus. Weil der Zugfunk für den Betrieb sicherheitskritisch ist, stand auf vielen Strecken vorübergehend nichts mehr.

Wenn der Funk ausfällt, steht der Zug

GSM-R ist das Funksystem, über das sich Lokführer und Leitstellen verständigen. Fällt es aus, greift das Sicherheitsprinzip: Im Zweifel wird angehalten. Genau das geschah – Fernzüge wie Nahverkehr waren betroffen, Tausende Reisende mussten warten. Der Vorfall ist kein Einzelfall: Das System gilt als technisch überholt. Es basiert auf dem Mobilfunkstandard der 1990er-Jahre, und Fachleute warnen seit Längerem vor seiner Anfälligkeit. Erfahrene Spezialisten für die alte Technik gehen nach und nach in den Ruhestand, Nachwuchs wird an modernen Standards ausgebildet.

Der Nachfolger steht mit dem 5G-basierten System FRMCS (Future Railway Mobile Communication System) zwar bereit, eine flächendeckende Einführung gilt aber erst für die 2030er-Jahre als realistisch. Bis dahin bleibt die Bahn auf eine Technik angewiesen, deren Schwächen nun erneut offen zutage treten.

Politiker fordern Konsequenzen

Während die Bahn den konkreten Defekt als Wartungsfehler einordnet, nutzen Sicherheitspolitiker den Ausfall für eine grundsätzlichere Forderung. Der CDU-Abgeordnete Roderich Kiesewetter hält ein Verbot des Ein- und Verbaus von Komponenten chinesischer Hersteller in kritischer und sicherheitsrelevanter Infrastruktur für überfällig. Deutschland habe sich bereits erhebliche Abhängigkeiten geschaffen.

Auch aus den Reihen der Grünen kommt Zustimmung: Der Innen- und Sicherheitspolitiker Konstantin von Notz mahnte, in zentralen Systemen seien weiterhin Komponenten aus Ländern im Einsatz, die kritische Infrastrukturen gezielt ausspähen und sabotieren könnten. Im Fokus der Kritik stehen vor allem die chinesischen Konzerne Huawei und ZTE als Anbieter von Netzwerktechnik. Ein direkter technischer Zusammenhang zwischen dem aktuellen Ausfall und Bauteilen dieser Hersteller ist allerdings nicht belegt – die Forderung ist sicherheitspolitisch motiviert.

EU will den Ausschluss verbindlich machen

Auf europäischer Ebene ist das Thema nicht neu. Die EU-Kommission hat Anfang des Jahres einen Gesetzesvorschlag eingebracht, der es Mitgliedstaaten ermöglichen soll, umstrittene Anbieter von Netzwerktechnik künftig rechtlich bindend auszuschließen. Bisherige Empfehlungen – etwa gegen den Einsatz von Huawei und ZTE in 5G-Mobilfunknetzen – sollen damit verpflichtend werden. Der Bahnfunk-Ausfall dürfte diesem Vorhaben in der politischen Debatte neuen Auftrieb geben.