Im Ringen um den Bundeshaushalt 2027 will Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) auch bei Alkohol ansetzen: Geplant ist eine Erhöhung der Alkoholsteuer. Einem Bericht zufolge soll der Aufschlag bei rund 20 Prozent liegen. Eine offizielle Bestätigung des genauen Satzes durch das Finanzministerium steht aus – die Pläne sind Teil eines größeren Pakets, das auch Tabak, zuckerhaltige Getränke und weitere Abgaben umfasst (Handelsblatt).
Welche Steuer betroffen ist
In Deutschland gibt es keinen einheitlichen Alkoholsteuersatz: Bier und Schaumwein werden gesondert besteuert, im Fokus steht meist die Branntweinsteuer auf Spirituosen. Auf Wein erhebt Deutschland gar keine Verbrauchsteuer – ein Sonderweg, den Fachleute seit Jahren kritisieren. Spirituosen machen nur einen kleinen Teil des Konsums aus, tragen aber den Großteil der Alkoholsteuereinnahmen.
Experten fordern mehr
Suchtforschern und Gesundheitsverbänden geht eine moderate Erhöhung nicht weit genug. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) verweist auf ein eklatantes Missverhältnis: Den jährlichen Alkoholsteuereinnahmen von rund drei Milliarden Euro stünden volkswirtschaftliche Folgekosten von etwa 57 Milliarden Euro gegenüber. In Deutschland sterben nach DHS-Angaben jedes Jahr rund 44.000 Menschen an den Folgen des Alkohols (DHS). Höhere Preise, so die Fachleute, senkten nachweislich den Konsum – und damit Leid und Kosten.
Industrie warnt
Die Spirituosenbranche lehnt höhere Steuern ab. Sie argumentiert, eine Erhöhung lasse den Absatz sinken und bringe dem Staat unterm Strich kaum Mehreinnahmen; besonders kleine Brennereien wären betroffen.
Zwischen Haushalt und Gesundheit
Klingbeil steht zwischen den Stühlen: Er braucht Einnahmen, während die SPD harte Ausgabenkürzungen ablehnt. Eine Alkoholsteuererhöhung lässt sich zudem als Gesundheitsmaßnahme rahmen. Aus Sicht der Suchtmedizin bleibt der geplante, eher zurückhaltende Schritt jedoch eine vertane Chance, ein wirksames Steuerungsinstrument konsequenter zu nutzen.



