Wenn die Hitze über den Feldern flimmert und die letzten Pfützen im Schlamm verschwinden, verliert die Natur still einen Teil ihrer Vielfalt. Frösche, Kröten und Molche zählen zu den am stärksten bedrohten Tiergruppen – und trockene, heiße Sommer verschärfen ihre Lage. Ihre Feinde sind unscheinbar: zu wenig Regen, zu viel Wärme, zu wenige Gewässer.
In Thüringen stehen zwei Drittel der Arten auf der Roten Liste
Wie dramatisch die Lage ist, zeigt ein Blick nach Thüringen. Dort stehen nach Angaben des NABU bereits 13 der 19 heimischen Amphibienarten auf der Roten Liste. Moorfrosch und Wechselkröte gelten als stark gefährdet, Gelbbauchunke und Kreuzkröte sogar als vom Aussterben bedroht. Selbst der Grasfrosch, einst einer der häufigsten Bewohner feuchter Wiesen, zeigt einen deutlichen Rückgang.
Als zentrale Ursache nennt der Naturschutzbund die „Austrocknung der Landschaft durch die zunehmende Erderhitzung". Wo Laichgewässer verschwinden, fehlt den Tieren schlicht die Lebensgrundlage.
Warum Amphibien der Hitze kaum entkommen
Amphibien sind wechselwarme Tiere: Sie regulieren ihre Körpertemperatur nicht selbst, sondern sind auf kühle, feuchte Umgebungen angewiesen. Ihre dünne, durchlässige Haut hilft ihnen bei der Atmung – wird aber bei trockener, heißer Luft zum Verhängnis, weil der Körper rasch Wasser verliert.
Das Drama beginnt oft schon im Frühjahr: Die Tiere suchen ihre alten Laichplätze auf – Tümpel, Gräben, temporäre Pfützen. Sind diese Kleingewässer ausgetrocknet, finden viele Arten keinen Ort zur Fortpflanzung. Und selbst wo Eier abgelegt werden, brauchen die Kaulquappen Wochen zur Entwicklung. Trocknet das Gewässer vorher aus, überleben sie nicht.
Naturschützer fordern einen Aktionsplan
Für die Fachleute sind die Amphibien ein Frühwarnsystem: Geht es ihnen schlecht, ist meist ein ganzes Ökosystem aus dem Gleichgewicht. Ulrich Scheidt, Sprecher des Landesfachausschusses für Herpetologie im NABU Thüringen, warnt entsprechend vor den Folgen des Rückgangs für die Natur insgesamt.
Marcus Orlamünder, Naturschutzreferent des NABU Thüringen, fordert von der Landesregierung einen Aktionsplan zur Belebung von Bach- und Flussauen sowie die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme. Neue und renaturierte Kleingewässer könnten den Amphibien Rückzugs- und Laichräume zurückgeben.
Doch solche Maßnahmen wirken nur langfristig – und der Sommer ist noch nicht vorbei. Für die Frösche und Kröten in den austrocknenden Tümpeln zählt vor allem eins: Regen.



