Weite Teile Westeuropas stehen Ende Juni 2026 unter einer außergewöhnlichen Hitzeglocke. In Frankreich, Spanien, Großbritannien und Deutschland klettern die Temperaturen fünf bis zwölf Grad über die jahreszeitlichen Durchschnittswerte. Eine internationale Forschergruppe ordnet das Geschehen nun als historisch ein: Es handele sich um die schwerste Hitzewelle, die je in Westeuropa aufgezeichnet wurde.

Was die Attributionsstudie zeigt

Hinter der Einordnung steht die Initiative World Weather Attribution, ein Zusammenschluss von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, der den Einfluss des Klimawandels auf einzelne Extremwetterereignisse untersucht. Ihr Ergebnis ist deutlich: Hätten dieselben Wetterlagen das Klima der 1970er-Jahre getroffen, wären die Temperaturen rund 3,5 Grad Celsius niedriger ausgefallen. Selbst im Vergleich mit dem berüchtigten Hitzesommer 2003 liegt die aktuelle Welle noch etwa zwei Grad höher.

Besonders auffällig ist die Geschwindigkeit, mit der sich Westeuropa erwärmt. Den Forschenden zufolge steigen die Tageshöchsttemperaturen in der Region etwa dreimal so schnell wie die globale Durchschnittstemperatur, die Nachttemperaturen immer noch doppelt so schnell. Das globale Erwärmungsniveau liegt derzeit bei rund 1,4 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit – und schon bei diesem Wert stoßen Hitzeereignisse zunehmend an die Grenzen dessen, was Gesellschaften gut bewältigen können.

Hitze als unterschätzte Gefahr

Hitzewellen gelten als die tödlichste aller Naturgefahren – sie fordern nach Einschätzung von Fachleuten mehr Todesopfer als andere Extremereignisse zusammengenommen. Gefährlich ist dabei nicht allein die Tageshitze, sondern vor allem das Ausbleiben nächtlicher Abkühlung: Bleiben die Temperaturen auch in der Nacht hoch, kann sich der Körper nicht erholen. Besonders betroffen sind ältere Menschen, Kleinkinder und Vorerkrankte.

Rekordverdächtige Werte auch in Deutschland

Auch hierzulande spitzt sich die Lage zu. An mehreren aufeinanderfolgenden Tagen werden Temperaturen um 40 Grad Celsius erwartet. Zur Einordnung: Der bisherige deutsche Junirekord liegt bei 39,6 Grad, gemessen am 30. Juni 2019 in Bernburg in Sachsen-Anhalt. Sollten die Prognosen eintreffen, könnte dieser Wert in den kommenden Tagen fallen.

Für die Klimaforschung fügt sich die aktuelle Hitzewelle in ein bekanntes Muster: Mit jedem Zehntelgrad zusätzlicher Erwärmung werden Extreme wahrscheinlicher und intensiver. Was heute als Ausnahmeereignis gilt, droht ohne entschlossene Klimaschutzmaßnahmen zur wiederkehrenden Belastung zu werden.