München zeigt Flagge: Am Samstagmittag hat sich die Politparade des Christopher Street Day (CSD) in Bewegung gesetzt. Angeführt von den Dykes on Bikes, deren Motorräder den Asphalt zum Dröhnen bringen, ziehen nach Angaben der Veranstalter rund 20.000 Menschen durch die Innenstadt – in 214 angemeldeten Fußgruppen und Fahrzeugen, so vielen wie nie zuvor.
Ein Motto mit Nachdruck
Das Motto des diesjährigen CSD lautet „Unsere Vielfalt. Unsere Stärke." – und es ist bewusst kämpferisch gewählt. Denn die gesellschaftliche Stimmung gegenüber queeren Menschen ist rauer geworden. Vor diesem Hintergrund versteht sich die Parade nicht nur als Fest, sondern als Demonstration: für gleiche Rechte, gegen Hass und Ausgrenzung.
Erstmals führt mit Bürgermeister Dominik Krause ein Mitglied der Stadtspitze die Politparade als Schirmherr an – ein Signal, dass die Landeshauptstadt sich klar hinter die Veranstaltung stellt. Wegen Bauarbeiten am Mariahilfplatz startet der Zug in diesem Jahr an der Ecke Erhardt-/Fraunhoferstraße.
Neue Pride-Meile auf der Ludwigstraße
Auch das Straßenfest hat sich verändert: Statt wie bisher am Marienplatz erstreckt sich die neue Pride-Meile über rund einen Kilometer auf der repräsentativen Ludwigstraße. An drei Tagen gibt es dort Bühnen, Infostände und ein vielfältiges Programm. Insgesamt werden über das Wochenende Hunderttausende Besucherinnen und Besucher erwartet.
Mehr als ein Sommerfest
So farbenfroh der CSD auch daherkommt – sein Kern ist politisch. Die Veranstalter verbinden mit dem Tag konkrete Forderungen, etwa nach besserem Schutz vor queerfeindlicher Gewalt und nach rechtlicher Gleichstellung. Der Christopher Street Day erinnert an den Aufstand in der New Yorker Christopher Street im Jahr 1969 – den Ausgangspunkt der modernen queeren Bewegung. In München ist daraus über die Jahrzehnte eine der größten Demonstrationen dieser Art im Süden Deutschlands geworden. Und wer an diesem Samstag die Regenbogenfahnen über der Ludwigstraße sieht, versteht: Vielfalt ist hier keine Floskel, sondern Haltung.



