Der Nordwesten Venezuelas kämpft mit den Folgen einer Naturkatastrophe: Zwei schwere Erdbeben haben die Region erschüttert und zahlreiche Gebäude zum Einsturz gebracht. Rettungskräfte suchen seither unter den Trümmern nach Überlebenden.

Zwei heftige Erdstöße

Nach Angaben von ZDFheute ereigneten sich die Beben am Mittwoch um 18:04 Uhr Ortszeit (00:04 Uhr MESZ). Der US-Erdbebendienst USGS gab die Stärken mit 7,2 und 7,5 an, die Tiefe mit knapp 22 Kilometern. Das Epizentrum lag rund 24 Kilometer östlich der Stadt San Felipe im Nordwesten des Landes; das zweite Beben folgte nur wenige Kilometer nördlich. Spürbar waren die Erschütterungen in mindestens sieben Bundesstaaten sowie in der Hauptstadt Caracas.

Hunderte Tote, viele Vermisste

Die Bilanz ist schwer und vorläufig. Nach Angaben des venezolanischen Gesundheitsministers wurden mehr als 235 Todesopfer gemeldet, mindestens 188 davon sind bestätigt. Über 4.300 Menschen wurden verletzt, mehr als 200 werden noch unter Trümmern vermutet. Der USGS hatte in einer frühen Modellschätzung sogar eine Spanne von 10.000 bis 100.000 möglichen Opfern genannt – eine statistische Hochrechnung, keine bestätigte Zahl, die das noch unklare Ausmaß der Zerstörung in abgelegenen Gebieten verdeutlicht.

Gesang unter den Trümmern

Inmitten der Verzweiflung berichten Helfer von bewegenden Szenen. Wie der Tagesspiegel schildert, nähern sich Rettungskräfte den Verschütteten teils singend – um ihnen zu zeigen, dass Hilfe naht, und um sie in ihrer Angst zu beruhigen. In einem Umfeld, in dem oft mit bloßen Händen gegraben wird, kann die menschliche Stimme das Einzige sein, das die Eingeschlossenen sofort erreicht.

Hilfe aus Deutschland

Die internationale Hilfe läuft an. Deutschland entsandte nach Angaben von ZDFheute rund 50 Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) – darunter vier Rettungshundeführerinnen und -führer mit ausgebildeten Spürhunden. Sie flogen am Freitagmorgen vom Fliegerhorst Wunstorf ab; die Bundeswehr stellt dafür bis zu sechs Transportflugzeuge vom Typ A400M bereit. Die Suche nach Überlebenden geht weiter – auch jenseits der kritischen ersten Tage, in denen die Überlebenschancen unter Trümmern am größten sind.