In zwei ostdeutschen Landkreisen kommt es an diesem Sonntag zu Stichwahlen um das Amt des Landrats – mit bundespolitischer Aufmerksamkeit, weil in beiden Fällen die AfD im Rennen ist.
Ostprignitz-Ruppin: Amtsinhaber gegen AfD
In Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg trifft nach Angaben des Tagesspiegels der SPD-Amtsinhaber Ralf Reinhardt auf den AfD-Landtagsabgeordneten Torsten Arndt. Im ersten Wahlgang am 7. Juni lag Reinhardt mit 34,7 Prozent vorn, Arndt kam auf 30,3 Prozent; zwei weitere Bewerber – Thomas Kresse (parteilos, 23,9 Prozent) und Ronald Mundt (Freie Wählergemeinschaft, 11,1 Prozent) – schieden aus. Sollte Arndt gewinnen, würde die AfD erstmals einen Landrat in Brandenburg stellen. Bislang war die Partei dort nur bei einer Bürgermeisterwahl in Zehdenick erfolgreich.
Saalekreis: AfD-Bewerber als Erstplatzierter
Auch im Saalekreis in Sachsen-Anhalt steht eine Stichwahl an, bei der nach übereinstimmenden regionalen Berichten ein AfD-Kandidat als Erstplatzierter aus dem ersten Wahlgang hervorging und auf einen Bewerber der CDU trifft. Linke und Grüne hatten zuvor dazu aufgerufen, im zweiten Wahlgang den demokratischen Mitbewerber zu unterstützen. Ein Sieg wäre auch hier eine Premiere – der erste AfD-Landrat in Sachsen-Anhalt.
Ein Amt mit realem Gewicht
Der Landrat leitet die Kreisverwaltung und ist zugleich – je nach Bundesland – untere staatliche Verwaltungsbehörde. Zu seinen Aufgaben zählen unter anderem Ordnungs-, Gesundheits- und Sozialverwaltung, Katastrophenschutz und die Umsetzung von Kreistagsbeschlüssen. Es ist damit ein Amt mit unmittelbarem Einfluss auf den Alltag der Menschen – auch wenn bundespolitische Wahlkampfthemen auf dieser Ebene kaum umsetzbar sind.
Das zeigt das bislang einzige Beispiel: Robert Sesselmann (AfD) amtiert seit Sommer 2023 im thüringischen Sonneberg als erster und bisher einziger AfD-Landrat Deutschlands. Seine Amtszeit hat deutlich gemacht, wie groß die Lücke zwischen Wahlkampfrhetorik und kommunalpolitischer Wirklichkeit sein kann.
Einordnung
Die Stichwahlen fügen sich in einen größeren Trend: Die AfD erzielt in Ostdeutschland bei Landtags- und Kommunalwahlen seit Jahren Ergebnisse deutlich über dem Bundesschnitt. Ein Erfolg in einem der beiden Landkreise würde die Partei weiter in kommunalen Machtstrukturen verankern. Wie die Stichwahlen ausgehen, entscheidet sich am Sonntagabend nach Schließung der Wahllokale.



