Der Pfälzerwald hat einen neuen Bewohner. „Koda" heißt der Luchs, der nach Angaben der beteiligten Naturschützer im Südwesten von Rheinland-Pfalz in die Freiheit entlassen wurde. Mit gespitzten Ohren und vorsichtigen Schritten verschwand das Tier ins Dickicht – und reiht sich damit in eine Erfolgsgeschichte ein, die vor rund zehn Jahren begann.

Ein Vorzeigeprojekt mit EU-Geld

Die Rückkehr des Luchses verdankt der Pfälzerwald dem EU-LIFE-Projekt „Luchs Pfälzerwald", das die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz zwischen 2015 und 2021 gemeinsam mit Partnern umsetzte. In dieser Zeit wurden 20 Luchse – zwölf Weibchen und acht Männchen – aus der Schweiz und der Slowakei angesiedelt, der erste bereits im Sommer 2016. Bis zum Projektende dokumentierten die Wildtierkundler mindestens 18 im Reservat geborene Jungtiere.

Heute leben nach Schätzungen des Koordinationszentrums Luchs und Wolf wieder mindestens rund ein Dutzend selbstständige Tiere in der Region – ein neuer Populationskern, wie ihn sich die Initiatoren erhofft hatten. Wie schon bei früheren Auswilderungen dürfte auch Koda einen GPS-Sender tragen, der die Wanderbewegungen nachvollziehbar macht und sich nach ein bis zwei Jahren von selbst löst.

Warum Luchse wichtig sind

Der Eurasische Luchs ist Europas größte Wildkatze und stand in Deutschland rund zwei Jahrhunderte lang nur noch in Sagen. Als Beutegreifer reguliert er Reh- und Wildbestände und sorgt so für ein gesünderes Gleichgewicht im Wald. Anders als der Wolf jagt der Luchs allein, meidet den Menschen konsequent und ist nachtaktiv – die meisten Wanderer werden ihm zeitlebens nie begegnen.

Herausforderungen bleiben

Doch die Rückkehr ist fragil. Die größte Gefahr lauert auf den Straßen: Immer wieder verenden besenderte Tiere nach Kollisionen mit Fahrzeugen. Hinzu kommt die Frage der Akzeptanz – etwa bei Jägern und Weidetierhaltern, die Sorge um Wild und Nutztiere haben. Auch die genetische Vielfalt ist ein Thema: Eine kleine, isolierte Population braucht regelmäßig frisches Blut von außen, um langfristig zu überleben. Genau hier setzen Auswilderungen wie die von Koda an.

Einordnung

Koda ist damit mehr als ein einzelnes Tier. Er ist ein Baustein in einem grenzüberschreitenden Netzwerk, das den Luchs in der Mitte Europas wieder heimisch machen soll – vom Pfälzerwald über die Vogesen bis in den Schwarzwald. Ob die Rückkehr dauerhaft gelingt, entscheidet sich nicht im Wald allein, sondern auch an den Verkehrswegen und am Verständnis der Menschen, die diese Wälder mit ihm teilen.