Netflix hat die Mystery-Serie „The Boroughs“ nach nur einer Staffel abgesetzt. Das Projekt galt als Hoffnungsträger, schließlich saßen mit Matt und Ross Duffer die Schöpfer von „Stranger Things“ als ausführende Produzenten mit im Boot. Wie das Magazin heise online und das US-Branchenblatt The Hollywood Reporter übereinstimmend berichten, fiel die Entscheidung trotz starker Startwerte.

„Stranger Things mit Senioren“

„The Boroughs“ ist eine übernatürliche Genre-Serie, die in einer scheinbar idyllischen Seniorenresidenz spielt. Dort entdecken die Bewohnerinnen und Bewohner eine unheimliche Bedrohung: Laut Deadline müssen „unwahrscheinliche Held:innen zusammenfinden, um eine fremdartige Macht daran zu hindern, ihnen das Einzige zu stehlen, das sie nicht haben: Zeit“. Branchenmedien beschrieben das Konzept griffig als „Stranger Things mit Senioren“.

Die Besetzung war prominent: Alfred Molina, Geena Davis, Alfre Woodard, Denis O'Hare, Clarke Peters und Bill Pullman gehörten zum Ensemble. Erdacht wurde die Serie allerdings nicht von den Duffer-Brüdern selbst, sondern von Jeffrey Addiss und Will Matthews. Matt und Ross Duffer fungierten über ihre Firma Upside Down Pictures als ausführende Produzenten. Premiere feierte „The Boroughs“ am 21. Mai 2026, kurz nach dem Abschluss der finalen „Stranger Things“-Staffel.

Starker Start, schneller Absturz

Genau die Zuschauerzahlen wurden der Serie zum Verhängnis. In der ersten vollen Woche kletterte sie laut The Hollywood Reporter auf 9,5 Millionen Aufrufe und damit auf Platz eins der Netflix-Charts. Doch danach ging es steil bergab: In Woche zwei sackte die Serie auf 3,7 Millionen Aufrufe, in Woche drei auf rund zwei Millionen. Die Zuschauerbindung war also schwach – ein zentrales Kriterium bei Netflix' Verlängerungsentscheidungen.

Teure Produktion als Genickbruch

Dazu kam ein hoher Preis: Eine Folge kostete rund zehn Millionen US-Dollar. Aufwändige Spezialeffekte und der Star-Cast trieben die Ausgaben in die Höhe. Bei einer derart steil abfallenden Reichweitenkurve rechnete sich das für Netflix nicht mehr. Am 15. Juni ließ der Streamer die Optionen auf die Schauspielverträge auslaufen und besiegelte damit das Aus. Eine zweite und dritte Staffel waren bereits in Vorbereitung; ein Writers Room war eröffnet.

Spannungen nach dem Paramount-Wechsel?

Pikant ist der Zeitpunkt. Die Duffer-Brüder verließen Netflix im April 2026 und unterschrieben einen Vierjahresvertrag bei Paramount. Eine Quelle gegenüber The Hollywood Reporter beschrieb das Verhältnis zwischen den Brüdern und Netflix-Managern seither als „angespannt“. Ein Netflix-Sprecher wies diese Deutung jedoch zurück: Es habe sich um eine reine Geschäftsentscheidung gehandelt. Da Netflix die Serie vollständig besitzt, gilt eine Wiederbelebung andernorts als unwahrscheinlich. Eine inhaltliche Verbindung zum „Stranger Things“-Finale gibt es übrigens nicht: „The Boroughs“ war ein eigenständiges Projekt, das lediglich die Handschrift der Duffer-Produktionsfirma trug.