Die deutsche Zweiradindustrie ordnet ihren wichtigsten Schaufenstertermin neu: Der Branchenverband ZIV und die Koelnmesse rufen eine neue internationale Leitmesse ins Leben. Unter dem Namen „Towards Tomorrow – European Bike Show“ soll die Veranstaltung erstmals vom 6. bis 8. September 2027 in Köln stattfinden und danach jährlich wiederkehren.

Wer veranstaltet – und welche Rolle Köln spielt

Die Aufgaben sind klar verteilt: Die Koelnmesse tritt als Veranstalterin und Betreiberin auf, der ZIV ist Markeninhaber und industrieseitiger Partner. Damit kehrt eine Fahrrad-Großmesse an einen historischen Standort zurück. Die Internationale Fahrradausstellung IFMA war 1962 nach Köln gezogen und lief dort bis 2008. Für interessierte Aussteller und Medien ist bereits am 9. September 2026 ein Kick-off-Event in Köln geplant.

Kampfansage an die Eurobike

Die neue Messe versteht sich ausdrücklich als Konkurrenz zur Eurobike, die seit Jahren mit rückläufigen Aussteller- und Besucherzahlen kämpft. Der ZIV hatte zuvor seine Zusammenarbeit mit der Eurobike beendet. Die Terminwahl ist dabei kein Zufall: Die Eurobike soll 2027 nur wenige Tage vor dem Kölner Konkurrenten laufen. ZIV-Geschäftsführer Burkhard Stork betonte den „klaren Fokus auf Fahrrad und E-Bike“.

Reine Fachmesse mit europäischem Fundament

Anders als bei publikumsoffenen Events richtet sich „Towards Tomorrow“ ausschließlich an das Fachpublikum – eine reine B2B-Veranstaltung ohne Zugang für Endkunden, unter dem Motto „von der Industrie für die Industrie“. Sie soll Handel, Industrie, Zulieferer und Dienstleister aus Europa und der Welt zusammenbringen. Zugesagt haben laut Verband bereits zahlreiche Schwergewichte, darunter die Einkaufsgenossenschaft ZEG, die Marketinggruppe BICO, der Fachhandelsverband VSF sowie der Hersteller Puky. Konkrete Prognosen zu Aussteller- oder Besucherzahlen nannten die Veranstalter bislang nicht.

Bedeutung für eine Branche im Umbruch

Der Vorstoß fällt in eine herausfordernde Marktphase. Nach Daten des ZIV wurden 2025 in Deutschland rund 3,8 Millionen Fahrräder und E-Bikes verkauft – ein Rückgang von 3,9 Prozent; der Umsatz sank um 7,7 Prozent auf 5,85 Milliarden Euro. Aus dem Corona-Boom ist ein robustes, aber stabiles Volumen geworden. Das E-Bike bleibt mit rund zwei Millionen Stück und knapp 53 Prozent Marktanteil die tragende Säule. Die nach der Pandemie entstandenen Überbestände bauen Handel und Industrie weiter ab; eine Normalisierung wird bis Ende 2026 erwartet. In dieser Lage soll die neue Messe der Branche eine verlässliche Bühne im weltweit wichtigsten Fahrradmarkt geben – und verlorenes Selbstbewusstsein zurückbringen.