Die beiden taiwanischen Hardwarehersteller Acer und Asus können in Deutschland wieder vollständige Computer verkaufen. Damit endet ein über vier Monate dauernder Verkaufsstopp, der weite Teile des aktuellen PC- und Notebook-Sortiments beider Marken aus dem deutschen Handel verdrängt hatte (heise online).

Worum es im Streit ging

Auslöser war eine Patentklage des finnischen Konzerns Nokia. Im Zentrum stand ein europäisches Patent, das ein Verfahren zur effizienten Anpassung der Bildrate beschreibt – eine Technik, die zum Videocodec H.265 (HEVC) gehört. Da moderne Prozessoren spezialisierte Schaltkreise zur Verarbeitung von H.265-Videos enthalten, sehen sich PC-Hersteller in der Pflicht, entsprechende Lizenzen zu erwerben.

Der eigentliche Konflikt entzündete sich an der Berechnung der Lizenzgebühren. Nokia wollte die Abgaben am kompletten Gerätepreis bemessen, während Acer und Asus eine Orientierung an den Preisen von CPU und GPU forderten. Für die Hersteller hätte Nokias Modell deutlich höhere Kosten bedeutet. Das Landgericht München I urteilte im Januar 2026 zugunsten von Nokia (heise online).

Der Verkaufsstopp

In der Folge stoppten Acer und Asus Verkauf und Werbung in Deutschland. Mitte Februar 2026 nahmen beide Konzerne sogar ihre deutschen Webseiten zeitweise offline. In einer Zwischenphase kehrten die Hersteller mit stark eingeschränktem Sortiment zurück: Acer bot zunächst nur Monitore und Zubehör an, Asus etwa Grafikkarten und Netzteile – komplette Rechner und Notebooks blieben jedoch außen vor (Notebookcheck). Da die Verfügung nur für Deutschland galt, blieben Importe aus anderen EU-Ländern grundsätzlich möglich.

Was sich jetzt geändert hat

Acer und Asus haben sich mit Nokia geeinigt – allerdings nicht vor Gericht, sondern über ein privates Schiedsverfahren. Über den Inhalt der Vereinbarung schweigen die Beteiligten; konkrete Lizenzbedingungen oder Zahlungen wurden nicht offengelegt. Damit dürfen beide Marken wieder das volle Programm vermarkten: Desktop-PCs, Notebooks und Mini-PCs.

Juristisch zeigt der Fall, wie wirkungsvoll standardessenzielle Patente sein können. Weil HEVC tief in Hard- und Software moderner Systeme verankert ist, reichte ein einziges Patent aus, um nahezu das gesamte aktuelle Sortiment zweier großer Hersteller zu blockieren. Im Kern ging es um die Frage, ob Nokia faire, sogenannte FRAND-konforme Lizenzbedingungen angeboten hatte – ein Dauerthema bei standardessenziellen Patenten. Für Kundinnen und Kunden in Deutschland bedeutet die Einigung vor allem wieder volle Auswahl und regulären Service über die offiziellen Kanäle.