Während die AfD in Erfurt ihren Bundesparteitag abhielt, gehörte die Stadt draußen den Gegnern der Partei. Zehntausende Menschen zogen am Samstag durch die Innenstadt und blockierten wichtige Verkehrswege, um ihren Protest sichtbar zu machen.

Zwei Zahlen, ein Bild

Wie groß der Protest genau war, hängt davon ab, wen man fragt. Die Polizei ging von etwa 31.000 Teilnehmern aus, die organisierenden Bündnisse „Zusammenstehen" und „Widersetzen" sprachen von 50.000 Menschen, wie das Handelsblatt berichtet. Eine solche Differenz zwischen Polizei- und Veranstalterangaben ist bei Großdemonstrationen üblich. Unstrittig ist: Es war eine der größten Kundgebungen, die Erfurt in den vergangenen Jahren gesehen hat.

Blockaden auf Straße und Schiene

Ein zentrales Mittel des Protests waren Sitzblockaden. Mehrere tausend Menschen setzten sich zeitweise auf die Autobahn 71 bei Erfurt und auf Zufahrtsstraßen; die Aktivisten lösten die Blockaden am Mittag selbst wieder auf. Andere klebten sich an Straßenbahnschienen fest oder ließen sich von einer Brücke abseilen, wie der Tagesspiegel schildert.

Überwiegend friedlich, aber nicht ohne Zwischenfälle

Die Polizei registrierte 48 Straftaten und elf Ordnungswidrigkeiten. Es kam zu Flaschenwürfen auf Journalisten, von denen einer vom Rettungsdienst behandelt werden musste; weitere Medienvertreter wurden leicht verletzt. Ein AfD-Bürgerbüro wurde mit Pyrotechnik und Farbbeuteln angegriffen, und es gab Übergriffe insbesondere auf Livestreamer. Gemessen an der Zahl der Teilnehmer blieben solche Vorfälle jedoch die Ausnahme.

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) zog eine überwiegend positive Bilanz: „Man kann zufrieden sein. Es ist bunt und laut", sagte er und äußerte die Hoffnung auf eine gewaltfreie Fortsetzung der Aktionen.

Der Parteitag lief trotzdem

An der Sitzung selbst änderten die Proteste nichts: Drinnen bestätigte die AfD ihre Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla im Amt. Draußen aber wurde deutlich, wie stark die Partei die Gesellschaft polarisiert. Der Protest war weniger gegen ein einzelnes Ergebnis gerichtet als gegen die AfD insgesamt, und er zeigte, dass ihr Aufstieg auf entschlossenen Widerspruch trifft.