Wer in den späten Neunzigern einen Controller mit drei Griffen und einem wackeligen Stick in der Hand hielt, erlebte einen Umbruch: Mit dem Nintendo 64 wurde dreidimensionales Spielen im Wohnzimmer alltäglich. Nun wird die Konsole 30 Jahre alt.
Ein später, mutiger Start
Das Nintendo 64 erschien am 21. Juni 1996 zuerst in Japan, wenige Monate später in Nordamerika und schließlich im Frühjahr 1997 in Europa. Damit kam Nintendo spät – Sonys PlayStation war längst auf dem Markt. Und der Konzern traf eine folgenreiche Entscheidung: Während die Konkurrenz auf günstige, speicherstarke CDs setzte, hielt Nintendo an Steckmodulen fest. Die luden zwar schneller und waren fälschungssicherer, boten aber viel weniger Platz und waren in der Herstellung teuer. Etliche Entwickler wanderten deshalb zur Konkurrenz ab.
Technik, die Maßstäbe setzte
Unter der Haube steckte für die Zeit beachtliche Technik: ein 64-Bit-Prozessor und ein gemeinsam mit Silicon Graphics entwickelter Grafikchip, die zusammen flüssige Polygonwelten auf den Fernseher brachten. Der eigentliche Star war jedoch der Controller. Sein Analog-Stick erlaubte erstmals feinfühlige Bewegungen in alle Richtungen – die Grundvoraussetzung, um sich frei durch 3D-Räume zu bewegen. Bis heute hat jeder Konsolen-Controller einen solchen Stick. Das optionale Rumble Pak ergänzte spürbare Vibration und damit eine ganz neue, körperliche Ebene des Spielens.
Spiele, die das Genre definierten
Den Beweis, wozu die Hardware fähig war, lieferte gleich der Starttitel: Super Mario 64 zeigte, wie sich eine Spielfigur intuitiv durch eine offene 3D-Welt steuern lässt – und verkaufte sich über elf Millionen Mal. Es folgten Meilensteine wie der Ego-Shooter GoldenEye 007, der Mehrspielerabende prägte, und 1998 The Legend of Zelda: Ocarina of Time, das mit seinem Zielsystem und kontextabhängigen Tasten bis heute als Vorbild gilt. Mario Kart 64 wiederum machte den Vierspieler-Spaß am geteilten Bildschirm zum Klassiker.
Ein ehrenvoller zweiter Platz
Kommerziell konnte das N64 die PlayStation nicht schlagen: Weltweit verkaufte es sich rund 33 Millionen Mal, deutlich weniger als Sonys Konsole. Doch sein Einfluss wiegt schwerer als die Zahlen. Die Art, wie wir uns heute mit einem Stick durch virtuelle Welten bewegen, wie Kameras Spielfiguren folgen, wie Vibration Treffer fühlbar macht – vieles davon wurde auf dem N64 erprobt. Dreißig Jahre später ist die Konsole damit weit mehr als ein Stück Nostalgie: Sie markiert den Moment, in dem das 3D-Spiel laufen lernte.



