20 Euro für eine Schachtel Zigaretten? Diese Zahl machte am Wochenende Schlagzeilen. Doch bei genauerem Hinsehen steckt hinter der Forderung des obersten Kassenarztes etwas anderes – und ein größeres gesundheitspolitisches Anliegen.

Zwei Euro mehr – nicht zwanzig

Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), fordert eine Erhöhung der Tabaksteuer um zwei Euro pro Zigarettenpackung. Die kursierende „20-Euro-Schachtel" ist dabei kein konkreter Preisvorschlag, sondern ein zugespitztes Gedankenspiel: Wäre eine Packung so teuer, so die Logik, könnten sich vor allem Jugendliche das Rauchen kaum noch leisten. Die eigentliche Forderung ist also moderater, als die Schlagzeile vermuten lässt.

Nach Gassens Schätzung würde allein die Zwei-Euro-Erhöhung rund sieben Milliarden Euro jährlich einbringen. Eine aktuelle Packung kostet derzeit rund acht Euro, von denen bereits ein erheblicher Teil aus Steuern besteht.

Nicht nur Tabak

Gassen denkt über die Zigarette hinaus. Er plädiert ebenso für höhere Abgaben auf Alkohol und für eine Zuckersteuer: „Wir brauchen endlich eine Zuckersteuer wie in skandinavischen Ländern", wird er zitiert. Der entscheidende Punkt seines Vorschlags: Die zusätzlichen Einnahmen sollen zweckgebunden ins Gesundheitssystem fließen – und nicht im allgemeinen Bundeshaushalt verschwinden.

Prävention statt Reparatur

Dahinter steht eine grundsätzliche Kritik. Das Gesundheitssystem agiere zu oft als reiner „Reparaturbetrieb", statt Krankheiten vorzubeugen. Rauchen gilt als wesentlicher Risikofaktor für Lungenkrebs, Herzinfarkt und Schlaganfall – Erkrankungen, die das System Milliarden kosten. Höhere Preise auf gesundheitsschädliche Produkte sollen doppelt wirken: als Lenkungsinstrument, das den Konsum senkt, und als Einnahmequelle für die unter Druck stehenden Kassen.

Die Gegenargumente

Unwidersprochen bleibt die Forderung nicht. Kritiker verweisen darauf, dass Tabaksteuern sozial ungleich wirken: Sie treffen Geringverdiener stärker, weil diese einen größeren Teil ihres Einkommens dafür aufwenden. Zudem droht bei sehr hohen Preisen ein Ausweichen in den Schwarzmarkt – ein Effekt, der die erhofften Mehreinnahmen schmälern könnte. Ob Gassens Vorstoß politisch Gehör findet, ist offen: Die Bundesregierung plant bislang nur eine schrittweise, deutlich geringere Anhebung der Tabaksteuer. Die Debatte über Prävention durch Besteuerung aber dürfte ihn überdauern.