Für den lange gebeutelten Bayer-Konzern ist es die vielleicht wichtigste Nachricht seit Jahren: Der Oberste Gerichtshof der USA hat im Dauerstreit um das glyphosathaltige Unkrautmittel Roundup zugunsten des Unternehmens entschieden. An der Börse löste das eine Kursrallye aus – die Aktie sprang auf ein Viermonatshoch und stand zeitweise an der Spitze des DAX.

Worüber das Gericht entschied

Am 25. Juni fällte der Supreme Court mit sieben zu zwei Stimmen ein Grundsatzurteil: Wenn die US-Umweltbehörde EPA ein Pflanzenschutzmittel geprüft und für sicher befunden hat, können Verbraucher den Hersteller nicht nach einzelstaatlichem Recht dafür verklagen, dass auf dem Produkt eine Krebswarnung fehlt. Das Bundesrecht verdränge insoweit die Vorschriften der Bundesstaaten. Für Bayer, das den Roundup-Hersteller Monsanto 2018 übernommen hatte, ist das ein juristischer Hebel von großem Gewicht: Den Klägern wird damit eines ihrer stärksten Argumente entzogen.

Warum das für Bayer so viel wert ist

Seit der Monsanto-Übernahme kämpft Bayer mit einer Flut von Klagen in den USA. Zehntausende Menschen führen ihre Krebserkrankung auf Roundup zurück; Geschworenengerichte sprachen wiederholt hohe Schadenersatzsummen zu, und der Konzern stellte über die Jahre Milliardenbeträge für Rechtsstreitigkeiten zurück. Das Urteil aus Washington schwächt die künftige Klagewelle, weil es die Berufung auf fehlende Warnhinweise erschwert. Bereits im Februar hatte Bayer zudem einen Vergleich vorgeschlagen, um einen großen Teil der bestehenden und künftigen Ansprüche gebündelt beizulegen.

Kein Schlussstrich

So groß die Erleichterung an der Börse ist – ein Freibrief ist das Urteil nicht. Fachleute betonen, dass längst nicht alle Klagewege versperrt sind und der Rechtsstreit Bayer weiter begleiten wird. Vor allem aber bleiben die tieferen Probleme bestehen: Der Konzern trägt hohe Schulden aus der teuren Monsanto-Übernahme und weiterhin milliardenschwere Rückstellungen für Glyphosat-Verfahren. Auch das Geschäft mit dem Wirkstoff selbst steht unter Wettbewerbsdruck. Der Kurssprung zeigt daher vor allem, wie sehr die Rechtsrisiken die Aktie bislang belastet haben. Ob aus der Erleichterung eine dauerhafte Erholung wird, hängt davon ab, ob Bayer sein operatives Geschäft wieder auf Kurs bringt – das Urteil verschafft dem Konzern dafür immerhin Luft.