Der lange schwelende Streit zwischen dem Vatikan und der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. hat sich dramatisch verschärft: Weil die Bruderschaft trotz ausdrücklichen Verbots des Papstes vier neue Bischöfe weihte, sind die Beteiligten nach dem Kirchenrecht exkommuniziert.
Weihen trotz Verbot
Die Bischofsweihen fanden am 1. Juli am Priesterseminar der Bruderschaft im schweizerischen Écône statt – gegen den erklärten Willen Roms. Papst Leo XIV. hatte die Gemeinschaft zuvor eindringlich zum Verzicht aufgerufen und sich in einem Schreiben persönlich an den Generaloberen der Bruderschaft, Davide Pagliarani, gewandt. Die Bruderschaft ließ sich davon nicht abbringen. Bei den geweihten Männern handelt es sich nach den vorliegenden Berichten um einen Schweizer, einen US-Amerikaner und zwei Franzosen.
Was die Exkommunikation bedeutet
Nach dem katholischen Kirchenrecht zieht die Weihe eines Bischofs ohne päpstlichen Auftrag automatisch – lateinisch: latae sententiae – die Exkommunikation nach sich, und zwar sowohl für die weihenden als auch für die geweihten Bischöfe. Betroffen sind damit die unmittelbar Beteiligten, nicht ohne Weiteres die gesamte Bruderschaft. Die Exkommunikation ist die schwerste Strafe, die die Kirche kennt: Die Betroffenen sind vom Empfang der Sakramente und von kirchlichen Ämtern ausgeschlossen.
Ein alter Konflikt
Der Vorgang weckt Erinnerungen an das Jahr 1988. Damals weihte der Gründer der Bruderschaft, der französische Erzbischof Marcel Lefebvre, ohne Erlaubnis vier Bischöfe – auch sie wurden exkommuniziert. Papst Benedikt XVI. hob diese Strafen 2009 wieder auf, um eine Annäherung zu ermöglichen. Zu einer vollständigen theologischen Einigung kam es trotz jahrelanger Gespräche aber nie. Kernpunkt des Streits ist bis heute die Haltung der Bruderschaft zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965): Sie lehnt zentrale Reformen etwa zur Religionsfreiheit und zur Ökumene ab und hält an der alten lateinischen Messe fest.
Droht ein Schisma?
Mit den neuen Weihen stellt sich erneut die Frage, ob aus dem Dauerkonflikt ein offenes Schisma wird – also eine dauerhafte Abspaltung von Rom. Ähnlich wie nach 1988 könnte die Bruderschaft ihre Gemeinden einfach weiterführen und ihre eigene Hierarchie aufrechterhalten. Für die katholische Kirche ist der Bruch ein schmerzhaftes Signal, das die Spannungen zwischen Traditionalisten und dem Reformkurs Roms offenlegt. Wie es weitergeht, hängt nun vor allem davon ab, ob beide Seiten überhaupt noch zu Gesprächen bereit sind.



