In Cottbus ist ein alternatives Wohnprojekt Ziel eines Brandanschlags geworden. Weil sich zur Tatzeit Menschen im Haus aufhielten, ermittelt der Staatsschutz wegen des Verdachts des versuchten Mordes. Verletzt wurde nach Angaben der Polizei niemand.
Was geschah
In der Nacht zum Donnerstag warfen bislang unbekannte Täter mehrere Flaschen mit brennbarer Flüssigkeit gegen die Fassade des Hausprojekts „Zelle 79". Es entstand ein kleiner Brand, den die Polizei löschen konnte. Dass niemand zu Schaden kam, war den Umständen geschuldet – im Gebäude befanden sich zu diesem Zeitpunkt Menschen. Genau deshalb bewertet die Polizei die Tat als potenziell lebensgefährlich und ermittelt, vorbehaltlich der Einschätzung der Staatsanwaltschaft, wegen versuchten Mordes. Der Staatsschutz hat gemeinsam mit der Mordkommission eine Ermittlungsgruppe gebildet.
Hinweise auf einen rechtsextremen Hintergrund
Nach Angaben von Zeugen sollen zwei etwa 15 bis 20 Jahre alte, schwarz gekleidete Männer beteiligt gewesen sein, die dem rechtsextremistischen Spektrum zugerechnet werden. Bestätigt ist das nicht; die Ermittlungen dauern an, und für alle Verdächtigen gilt die Unschuldsvermutung. Einen möglichen Bezug legt der Kontext nahe: Das Wohnprojekt hatte sich zuletzt mit einem Plakat und einer Regenbogenfahne an den Aktionswochen zum Christopher Street Day beteiligt. Bereits im Vorjahr war dasselbe Projekt mehrfach angegriffen worden.
Politische Reaktionen
Der Anschlag löste über Cottbus hinaus Bestürzung aus. Nach Behördenangaben verurteilten Landespolitiker die Tat scharf und sagten den Betroffenen Unterstützung zu; von mehreren mutmaßlich rechtsextremen Brandanschlägen in der Stadt war die Rede. Initiativen vor Ort forderten mehr Schutz für bedrohte Projekte.
Ein bekanntes Muster
Der Fall reiht sich in eine Serie von Angriffen auf alternative und queere Projekte ein, die Sicherheitsbehörden seit Längerem beschäftigt. Für die Betroffenen bedeutet ein solcher Anschlag nicht nur Sachschaden, sondern vor allem ein Klima der Bedrohung. Wie gefährlich die Tat wirklich war, wird nun die Ermittlungsgruppe klären müssen – ebenso die Frage, wer dahintersteckt und aus welchem Motiv gehandelt wurde. Gesicherte Antworten darauf gibt es bislang nicht.



