Es ist der Abschied von einem stillen, aber außergewöhnlich fleißigen Beobachter: Die Europäische Weltraumorganisation ESA beendet die Mission des Radarsatelliten Sentinel-1A. Zwölf Jahre lang lieferte er Daten über die Erde – deutlich länger, als seine Ingenieure ursprünglich geplant hatten.

Ein Radarauge, das durch Wolken sieht

Sentinel-1A startete am 3. April 2014 vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou und war der erste Satellit des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus. Sein Herzstück ist ein Radar mit synthetischer Apertur (SAR), das im C-Band arbeitet. Anders als optische Kameras ist ein solches Radar unabhängig von Wetter und Tageslicht: Es blickt durch Wolken und in die Nacht. Genau das macht es für die Erdbeobachtung so wertvoll, denn viele wichtige Regionen der Erde sind häufig bewölkt.

Wofür die Daten gebraucht wurden

Die Einsatzgebiete waren breit. Sentinel-1A vermaß das Meereis der Polarregionen und die Bewegung von Gletschern – wichtige Gradmesser des Klimawandels. Über den Ozeanen spürte er Ölteppiche und Schiffsbewegungen auf. Bei Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und Erdbeben lieferte er rasch Kartenmaterial für die Rettungskräfte. Und mit seinem Radar ließen sich noch feinste Absenkungen des Bodens erkennen, etwa über Bergbaugebieten oder entlang tektonischer Störungen. Über die Jahre wurde der Satellit so zu einer unverzichtbaren Datenquelle für Wissenschaft, Behörden und Umweltschutz.

Die Nachfolger stehen bereit

Dass die Mission nun endet, bedeutet keine Lücke in der Beobachtung. Die ESA hat die Nachfolge frühzeitig organisiert: Sentinel-1C startete im Dezember 2024 und ist inzwischen im vollen Betrieb, Sentinel-1D folgte Ende 2025. Gemeinsam umkreisen die neuen Satelliten die Erde und tasten sie in kurzen Abständen ab – mit modernerer Technik als der Pionier von 2014. Die Kontinuität des Programms, auf die sich viele Nutzer verlassen, ist damit gesichert.

Kontrolliert zurück zur Erde

Bleibt die Frage, was mit dem ausgedienten Satelliten geschieht. Die ESA will Sentinel-1A kontrolliert aus seiner Umlaufbahn holen und zum Absturz in der Atmosphäre bringen, wo er weitgehend verglüht. Das folgt den internationalen Richtlinien zur Vermeidung von Weltraumschrott, die vorsehen, ausgediente Satelliten nicht einfach im Orbit zu belassen. Angesichts des immer voller werdenden erdnahen Weltraums ist dieser geordnete Rückzug ein ebenso wichtiger Teil der Mission wie ihr Beginn – und ein letzter Dienst eines Satelliten, der die Erde zwölf Jahre lang im Blick hatte.