Die Handelsbeziehungen zwischen Europa und China sind angespannt – und ein Treffen in Brüssel hat das einmal mehr deutlich gemacht. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche traf dort am Sonntag Chinas Handelsminister Wang Wentao; tags darauf kam dieser mit EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič zusammen.

Pekings Botschaft

China gab sich betont offen: Man wolle freien Handel, den gegenseitigen Marktzugang ausweiten und ein „faires, offenes und diskriminierungsfreies Geschäftsklima" schaffen. Hinter den freundlichen Formeln steckt eine klare Adresse an Berlin und Brüssel: Peking warnt vor Protektionismus und appelliert an Deutschland, in der EU für eine maßvolle Linie zu werben.

Worum gestritten wird

Die Konfliktlinien sind bekannt. Ein zentraler Reizpunkt sind Chinas Exportkontrollen für seltene Erden und die daraus gefertigten Magnete – Rohstoffe, auf die die europäische Industrie dringend angewiesen ist. Gegenüber Šefčovič versicherte Wang, die bestehenden Kontrollen würden die EU-Lieferketten nicht beeinträchtigen.

Umgekehrt sorgt in Peking für Unmut, dass die EU neue Zusatzzölle auf chinesische Importe erwägt, um die heimische Industrie – etwa gegen die Konkurrenz günstiger Elektroautos – zu schützen. Hinzu kommen das große Handelsdefizit der EU gegenüber China und der zugleich schrumpfende Marktanteil europäischer Firmen im chinesischen Markt. Wie stark chinesische Anbieter in Europa vorstoßen, zeigt ein Beispiel aus der Konsumgüterwelt: Der Europachef des Herstellers Midea berichtete, der Absatz von Klimasplitgeräten habe sich in diesem Jahr verdoppelt.

Deutschlands Balanceakt

Reiche setzte auf Gesprächskanäle statt Konfrontation: Deutschland und China verständigten sich darauf, möglichst bald einen gemeinsamen Wirtschaftsausschuss wiederzubeleben, der als Forum für Konsultationen dienen soll. Für die Bundesregierung ist das ein heikler Spagat. Die deutsche Industrie braucht chinesische Rohstoffe und den riesigen Absatzmarkt, muss aber zugleich europäische Interessen und die gemeinsame EU-Handelspolitik mittragen.

Ein Durchbruch war das Treffen nicht, eher eine Bestandsaufnahme in einem zäh gewordenen Verhältnis. Hält die EU an ihren Zollplänen fest, dürfte China mit Gegenmaßnahmen reagieren – was gerade die exportstarke deutsche Auto- und Maschinenbauindustrie treffen würde. Ob sich der drohende Handelskonflikt entschärfen lässt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.