Kurz nach 13 Uhr richteten sich am Mittwoch, dem 1. Juli, viele Blicke rund um den Bodensee nach oben: Vor Friedrichshafen hatte sich eine große Wasserhose gebildet – ein Tornado, dessen Wirbelsäule über der Seeoberfläche stand. Der graue Schlauch, der Wolke und Wasser verband, war weithin sichtbar und lockte Schaulustige aus Restaurants und Geschäften ins Freie.

Kein Notfall auf dem Wasser

So spektakulär der Anblick, so glimpflich der Verlauf. Nach Angaben der Wasserschutzpolizei gab es keine Notfälle, keine Verletzten und keine Sachschäden. Die Wasserhose blieb über dem offenen See und zog anschließend in Richtung Lindau ab, ehe sie sich auflöste. Der Deutsche Wetterdienst bezifferte die Lebensdauer des Wirbels auf rund 15 Minuten.

Wie stark war der Wirbel?

Eine direkte Messung im Inneren gibt es nicht. Der Deutsche Wetterdienst schätzt die Windgeschwindigkeit in der Wasserhose auf etwa 100 bis 150 Kilometer pro Stunde – ausdrücklich eine fachliche Einschätzung, kein gemessener Wert. Für Boote sind solche Wirbel deshalb nicht ungefährlich, auch wenn sie meist schwächer und kurzlebiger sind als klassische Tornados über Land.

Was eine Wasserhose ausmacht

Eine Wasserhose ist im Grunde ein Tornado über einer Wasserfläche. Bei feuchtwarmer, instabiler Luft und kräftigen Auf- und Abwinden kann sich unter einer Schauer- oder Gewitterwolke ein rotierender Luftschlauch bilden, der bis zur Wasseroberfläche hinabreicht. Sichtbar wird er durch kondensierende Feuchtigkeit und mitgerissene Wassertröpfchen. Meteorologen unterscheiden die vergleichsweise harmlose Schönwetter-Variante, die aus Quellwolken ohne kräftiges Gewitter entsteht, von der stärkeren, gewitterbedingten Form.

Selten, aber nicht einmalig

Am Bodensee sind Wasserhosen ein seltenes, aber wiederkehrendes Phänomen. Der große, flache See und die im Sommer häufigen Gewitterlagen bieten immer wieder die passenden Bedingungen; erst wenige Wochen zuvor war in der Bregenzer Bucht ein ähnlicher Wirbel beobachtet worden. Dass sich ein so großer und gut sichtbarer Wirbel wie nun bei Friedrichshafen zeigt, bleibt dennoch ein außergewöhnliches Ereignis – und für die vielen Zuschauer am Ufer ein unvergesslicher Moment.