Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe, das höchste deutsche Gericht für Zivil- und Strafsachen, bekommt eine neue Spitze. Karin Angerer, bislang Präsidentin des Oberlandesgerichts Bamberg, soll die Nachfolge der langjährigen Präsidentin Bettina Limperg antreten.

Der Weg an die Spitze

Den entscheidenden Schritt machte im Juni der Richterwahlausschuss, der Angerer zur Richterin am Bundesgerichtshof wählte. Erst diese Wahl schafft die Voraussetzung dafür, dass sie überhaupt das Präsidentenamt übernehmen kann. Damit ist die Personalie aber noch nicht abgeschlossen: Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) muss Angerer für das Amt vorschlagen, das Bundeskabinett den Vorschlag bestätigen, und am Ende unterzeichnet Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Ernennungsurkunde. Vorgesehen ist der Amtsantritt zum 1. September 2026.

Wer ist Karin Angerer?

Angerer begann ihre juristische Laufbahn 1993 bei der Staatsanwaltschaft München. In den Jahren danach durchlief sie mehrere Stationen der bayerischen Justiz und der Verwaltung: Sie war im bayerischen Justizministerium tätig, arbeitete als abgeordnete nationale Sachverständige bei der Europäischen Kommission und wirkte als Zivilrichterin an Münchner Gerichten. 2019 wurde sie Vizepräsidentin des Landgerichts München, seit September 2023 steht sie an der Spitze des Oberlandesgerichts Bamberg. Dieser Werdegang verbindet richterliche Praxis, Justizverwaltung und europäische Erfahrung – eine Kombination, die für die Leitung eines Gerichts mit zahlreichen Senaten und mehreren hundert Beschäftigten von Gewicht ist.

Eine auch politisch austarierte Personalie

Die Besetzung der Spitzenposten an den obersten Bundesgerichten wird traditionell zwischen den Regierungsparteien austariert. Bei der Nominierung Angerers lag das Vorschlagsrecht bei der Union; der Koalitionspartner SPD trug die Kandidatur mit. Solche Absprachen sind üblich, weil die Präsidentenämter als bedeutende Weichenstellungen in der Justiz gelten.

Wechsel nach zwölf Jahren

Angerer folgt auf Bettina Limperg, die den Bundesgerichtshof seit Juli 2014 leitet und deren Amtszeit Ende August 2026 ausläuft. Die Präsidentin oder der Präsident des BGH leitet nicht nur die Verwaltung des Gerichts, sondern führt in der Regel auch einen Senat und vertritt das Haus nach außen. Die Urteile aus Karlsruhe prägen die Auslegung großer Teile des deutschen Rechts und wirken weit über den jeweiligen Einzelfall hinaus. Mit Angerer soll damit auch in den kommenden Jahren eine erfahrene Juristin an der Spitze des höchsten Zivil- und Strafgerichts stehen.