In Naumburg an der Saale fällt in diesem Sommer ein doppeltes Jubiläum zusammen: Die Stadtkirche St. Wenzel wird 600 Jahre alt, und im Zentrum ihres Innenraums steht ein Instrument von Weltrang. Der Internationale Orgelsommer nimmt beides zum Anlass, um über Wochen hinweg Musik aus mehreren Jahrhunderten erklingen zu lassen.
Eine Kirche und ihr klingendes Herz
Die spätgotische Stadtkirche wurde nach Angaben aus der Kirchengeschichte 1426 errichtet; ihr Westportal stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert, die barocke Ausstattung kam im 18. Jahrhundert hinzu. Berühmt aber ist St. Wenzel vor allem für ihre Orgel.
Sie wurde zwischen 1743 und 1746 von dem Orgelbauer Zacharias Hildebrandt geschaffen und trägt bis heute seinen Namen. Am 27. September 1746 nahmen zwei der bedeutendsten Fachleute ihrer Zeit das Instrument ab: Johann Sebastian Bach und der große Orgelbauer Gottfried Silbermann. Mit ihren 53 Registern auf drei Manualen und Pedal zählt die Hildebrandt-Orgel zu den herausragenden Instrumenten des mitteldeutschen Barock; ihren prächtigen Prospekt hatte bereits Ende des 17. Jahrhunderts Zacharias Thayßner geschaffen.
Musik über Grenzen hinweg
Genau dieses historische Erbe macht den Orgelsommer besonders. Über die Sommerwochen hinweg treten Organistinnen und Organisten aus verschiedenen europäischen Ländern an die Hildebrandt-Orgel und spielen ein Programm, das von der Barockmusik der Bach-Zeit über kammermusikalische Verbindungen mit Streichern und Bläsern bis zu zeitgenössischen Werken reicht. So wird das Instrument nicht museal konserviert, sondern in seinem eigentlichen Element gezeigt: im Klang.
Die Reihe versteht sich als Brücke zwischen historischer Kontinuität und europäischer Gegenwart. Dass Musiker aus ganz Europa an einem Instrument zusammenkommen, das schon Bach beurteilte, verleiht den Konzerten einen besonderen Reiz – und rückt eine kleine Stadt in Sachsen-Anhalt für einen Sommer in den Mittelpunkt der Orgelwelt.
Ein Jubiläum mit Ausstrahlung
Für Naumburg ist das Jubiläumsjahr mehr als ein Termin im Kulturkalender. Die Verbindung von 600 Jahren Kirchengeschichte und einem original erhaltenen Bach-nahen Instrument ist ein seltener Glücksfall, den nur wenige Orte bieten können. Der Orgelsommer macht dieses Erbe hörbar – und lädt ein, die Klangkultur einer Stadt zu erleben, deren Geschichte seit sechs Jahrhunderten eng mit ihrer Kirche verbunden ist.



