Am Himmel könnte sich am Wochenende ein seltenes Schauspiel abspielen – vielleicht. Nach einer kräftigen Sonneneruption besteht eine kleine Chance, dass Polarlichter bis nach Deutschland reichen. Sicher ist das allerdings nicht, und die Jahreszeit spielt gegen die Beobachter.

Was auf der Sonne geschah

Auslöser ist eine Sonneneruption der stärksten Kategorie, ein sogenannter X-Flare, der sich am 30. Juni ereignete. Dabei wurde ein koronaler Massenauswurf ausgelöst – eine gewaltige Wolke aus elektrisch geladenem Gas, die mit hoher Geschwindigkeit ins All geschleudert wird. Trifft eine solche Wolke die Erde, stoßen die geladenen Teilchen auf das Magnetfeld unseres Planeten und regen die Gasmoleküle der oberen Atmosphäre zum Leuchten an. Genau dieses Leuchten sehen wir als Polarlicht.

Warum die Vorhersage unsicher ist

Nach den Modellen des amerikanischen Weltraumwetterdienstes NOAA soll die Stoßfront des Massenauswurfs die Erde am 3. Juli nur streifen. Für diesen Tag wird ein moderater geomagnetischer Sturm erwartet, für den Folgetag nur noch ein schwacher. Ob Mitteleuropa überhaupt in den Genuss sichtbarer Polarlichter kommt, bleibt offen: Die genaue Flugbahn einer solchen Teilchenwolke lässt sich nur schwer vorhersagen. Sie kann die Erde voll treffen – oder weitgehend an ihr vorbeiziehen.

Als grobes Maß für die Aktivität dient der Kp-Index, eine Skala von 0 bis 9. Erst ab Werten um 5 rücken Polarlichter überhaupt in Richtung Deutschland; je weiter südlich man steht, desto stärker muss der Sturm ausfallen. Weil die Prognosen bislang eher zurückhaltend sind, sind die Chancen klein, aber nicht null.

Der Sommer als Spielverderber

Selbst wenn die Teilchen die Erde treffen, kommt ein hausgemachtes Problem hinzu: Es wird kaum dunkel. Im Hochsommer dämmert es in Deutschland nur für wenige Stunden richtig, im Norden herrscht praktisch durchgehende Mitternachtsdämmerung. Ein Polarlicht müsste also schon sehr hell sein, um sich gegen den ohnehin aufgehellten Nachthimmel durchzusetzen.

Tipps für die Beobachtung

Wer es trotzdem versuchen will, hält sich an ein paar einfache Regeln: einen möglichst dunklen Ort ohne Straßenbeleuchtung suchen, den Blick nach Norden richten und den Horizont frei von Häusern und Bäumen halten. Die besten Stunden liegen um Mitternacht. Mit bloßem Auge zeigt sich ein Polarlicht oft nur als blasser Schimmer; moderne Kameras mit langer Belichtung – auch viele Smartphones – fangen die Farben deutlich kräftiger ein. Und weil sich die Lage kurzfristig ändern kann, lohnt ein Blick auf spezialisierte Vorhersagedienste, bevor man losfährt. Eine Garantie gibt es nicht – aber der Versuch kostet nur eine kurze Sommernacht.