Es ist eine Regel aus der Frühzeit des Düsenzeitalters: Seit 1973 ist es zivilen Flugzeugen verboten, über dem Festland der USA schneller als die Schallgeschwindigkeit zu fliegen. Nun bereitet die US-Luftfahrtbehörde FAA das Ende dieses Verbots vor – mit einem grundlegend neuen Ansatz.
Warum es das Verbot gibt
Grund für die Regel ist der Überschallknall. Durchbricht ein Flugzeug die Schallmauer, kann die Luft vor ihm nicht mehr ausweichen; sie wird zu einer Druckwelle zusammengeschoben, die am Boden als lauter, oft doppelter Knall ankommt. Dieser Knall zieht als Teppich unter der Flugbahn her, kann erschrecken und in Einzelfällen sogar Fensterscheiben zum Klirren bringen. Genau deshalb verbannte man den zivilen Überschallflug über bewohntem Gebiet – die legendäre Concorde etwa durfte ihre volle Geschwindigkeit im Wesentlichen nur über dem Atlantik ausfahren.
Nicht mehr Tempo, sondern Lärm als Maßstab
Statt weiter starr an die Geschwindigkeit anzuknüpfen, will die FAA nach Angaben von heise online künftig auf konkrete Lärmgrenzwerte setzen. Der Gedanke: Nicht die Überschallgeschwindigkeit an sich ist das Problem, sondern der Krach, den sie erzeugt. Wenn ein Flugzeug leise genug bleibt, soll es also auch über Land schneller als der Schall fliegen dürfen. Grundlage ist demnach ein Erlass des Weißen Hauses; gemeinsam mit der NASA und internationalen Stellen sollen bis 2027 neue Zertifizierungs- und Lärmvorschriften erarbeitet werden.
Leiser Überschall aus dem Labor
Möglich wird dieser Kurswechsel durch neue Technik. Vorzeigeprojekt ist die NASA X-59, ein Experimentalflugzeug aus dem Programm für „leisen Überschall". Mit einer extrem langgezogenen Form und sorgfältig gestalteter Aerodynamik soll die Maschine den scharfen Knall in ein dumpfes, kaum wahrnehmbares Wummern verwandeln. Gelingt der Nachweis, wäre der zentrale Einwand gegen Überschallflüge über Land entkräftet. Auch private Unternehmen arbeiten an neuen Überschalljets für den Linienverkehr, die Flugzeiten auf langen Strecken spürbar verkürzen könnten.
Schnell, aber nicht ohne Kritik
So verlockend kürzere Reisezeiten klingen, es gibt Vorbehalte. Selbst ein gedämpfter Überschallflug bleibt nicht geräuschlos, und vor allem verbraucht das Fliegen mit hohem Tempo deutlich mehr Treibstoff als ein normaler Linienflug. Die Klimabilanz solcher Jets fällt entsprechend schlechter aus – ein gewichtiges Argument in einer Zeit, in der der Luftverkehr seine Emissionen senken soll. Die FAA-Pläne stehen damit exemplarisch für einen Trend: weg von pauschalen Verboten, hin zu technischen Grenzwerten. Ob die neue Überschall-Ära wirklich anbricht, hängt am Ende davon ab, ob die leise Technik hält, was sie verspricht.



