Mehr Gleichberechtigung bei der Kinderbetreuung – das ist das erklärte Ziel einer geplanten Elterngeld-Reform. Doch die Finanzlage könnte aus dem Vorhaben das Gegenteil machen.

Das Ziel: Väter länger in die Elternzeit

Familienministerin Karin Prien (CDU) will erreichen, dass sich Väter stärker an der Betreuung beteiligen. Bislang nehmen viele Väter nur die zwei sogenannten Partnermonate, während Mütter den weitaus größeren Teil der bis zu 14 Monate beziehen. Zwar ist die Väterbeteiligung über die Jahre deutlich gestiegen, doch in der Aufteilung bleibt ein klares Ungleichgewicht.

Im Gespräch sind verschiedene Modelle: etwa eine stärkere Bindung der vollen Bezugsdauer daran, dass beide Elternteile einen Mindestanteil übernehmen, oder eine kürzere Gesamtdauer bei zugleich höheren Monatsbeträgen. Gemeinsamer Nenner: Väter sollen mehr Anreiz bekommen, längere Auszeiten zu nehmen.

Der Haken: ein Sparauftrag

Über der Reform liegt allerdings ein finanzieller Schatten. Medienberichten zufolge soll das Familienministerium im Zuge der Haushaltsplanung einen erheblichen Sparbeitrag leisten – das Elterngeld ist sein größter Ausgabenposten und damit ein naheliegendes Ziel für Einsparungen. Damit droht die Gefahr, dass eine als Fortschritt gedachte Reform unterm Strich zu weniger Geld für Familien führt.

Die Kritik

Entsprechend laut ist der Widerspruch. Gewerkschaften wie der DGB warnen, Kürzungen beim Elterngeld widersprächen dem Versprechen, die Gleichstellung zu stärken. Die Linke fordert stattdessen einen Ausbau – etwa eigenständige, nicht übertragbare Monate für jeden Elternteil. Auch Familienverbände stehen einer Reform zwar grundsätzlich offen gegenüber, kritisieren aber, dass der Sparzwang kaum Spielraum für Verbesserungen lasse. Selbst aus der Union kommen mahnende Stimmen, die vor einem übereilten Vorgehen warnen.

Noch ist nichts entschieden

Beschlossen ist die Reform nicht. Die Eckpunkte sollen in den kommenden Tagen im Kabinett beraten werden; ob und in welcher Form sie kommen, ist offen. Klar ist nur das Dilemma: Echte Gleichberechtigung bei der Kinderbetreuung kostet Geld – und genau das ist angesichts der Haushaltslage knapp. An dieser Spannung wird sich entscheiden, ob aus dem Vorhaben ein familienpolitischer Fortschritt wird oder ein Sparprogramm mit anderem Etikett.