Es waren ungewöhnlich scharfe Worte für einen Bundespräsidenten: Frank-Walter Steinmeier hat bei einer internationalen Konferenz in Hamburg eindringlich dafür geworben, die Vereinten Nationen nicht im Stich zu lassen.
Warnung vor einer neuen Weltunordnung
Bei der Hamburg Sustainability Conference zeichnete Steinmeier ein düsteres Bild der Weltlage. Durch die internationale Politik wehe ein „Zeitgeist der Brutalität und Rücksichtslosigkeit", sagte er nach Angaben des Tagesspiegels. Die Grundlagen einer kooperativen, regelgestützten Ordnung würden zunehmend durch rohe Machtpolitik, Null-Summen-Denken und Konfrontation ersetzt. Es ist eine Beschreibung jener Entwicklung, in der sich große Mächte aus gemeinsamen Vereinbarungen zurückziehen und nationale Alleingänge an Gewicht gewinnen.
Mehr Engagement statt Rückzug
Daraus leitet der Bundespräsident eine klare Forderung ab: Gerade weil die Lage so schwierig sei, müsse Deutschland sein Engagement in den Vereinten Nationen ausbauen – nicht zurückfahren. Multipolare Krisen verlangten nach multilateralen Lösungen, so der Grundgedanke. Konkret nannte Steinmeier eine stärkere Entwicklungszusammenarbeit und engere Partnerschaften, vor allem mit Ländern des globalen Südens.
Ein Signal an die Skeptiker
Zur Untermauerung verwies Steinmeier auf die Verletzlichkeit einer vernetzten Welt: Schon Störungen an wichtigen Handelswegen ließen weltweit Energie- und Lebensmittelpreise steigen – mit den schwersten Folgen für die ärmsten Länder. Solche Probleme seien im nationalen Alleingang nicht zu lösen. Die Veranstalter kündigten zudem eine neue Kommission an, die Strategien für die Zusammenarbeit zwischen reichen und armen Ländern erarbeiten soll.
Worum es im Kern geht
Steinmeiers Auftritt war weniger eine Reaktion auf das Tagesgeschehen als ein grundsätzliches Plädoyer. Seine Botschaft: Deutschland kann seine Interessen auf Dauer nicht gegen die Weltgemeinschaft, sondern nur mit ihr durchsetzen. In einer Zeit, in der die internationale Ordnung unter Druck steht, ist das Bekenntnis zu den Vereinten Nationen auch eine Mahnung an alle, die den Rückzug aus der gemeinsamen Verantwortung für das einfachere Rezept halten.



