Wer an der Tankstelle bezahlt, denkt: Hier verdient jemand am Sprit. Tatsächlich ist es fast umgekehrt – mit dem Kraftstoff bleibt für die Betreiber kaum etwas hängen.

Cent-Margen an der Zapfsäule

Pro verkauftem Liter bleibt den Pächtern nach Branchenangaben nur ein kleiner einstelliger Cent-Betrag. Ob Benzin nun einen oder zwei Euro kostet, ändert daran wenig: Der Verdienst je Liter ist gering und schwankt kaum. Das eigentliche Geschäft findet daneben statt – im Shop. Nach einer Analyse der Beratungsgesellschaft BearingPoint trägt das Geschäft mit Kaffee, Snacks und anderen Waren längst einen erheblichen Teil des Umsatzes bei – und das mit deutlich besseren Margen als der Kraftstoffverkauf.

Kaffee, Snacks, Waschstraße

Die Tankstelle wird so immer mehr zum Nahversorger und Treffpunkt. Hohe Spannen bringen vor allem Heißgetränke, kleine Mahlzeiten und die Autowäsche. Viele Standorte investieren deshalb in größere Shops, Bistrobereiche und Sitzgelegenheiten. Der Verkauf von Sprit bleibt wichtig, um Kundschaft anzulocken – verdient wird aber zunehmend an dem, was die Menschen beim Tanken mitnehmen.

Das E-Auto als Chance

Ausgerechnet die Elektromobilität, oft als Bedrohung der Tankstelle gesehen, könnte diesen Wandel beschleunigen. Denn das Laden eines E-Autos dauert deutlich länger als das Tanken. Wer zwanzig Minuten oder länger an der Station verbringt, kauft eher einen Kaffee oder etwas zu essen. Aus der reinen Durchfahrtstation kann so ein Ort des Verweilens werden. Branchenkenner verweisen zudem auf kommende Vorgaben, nach denen größere Tankstellen Schnellladepunkte vorhalten sollen.

Der Druck auf die Pächter

Der Umbau ist allerdings kein Selbstläufer. Viele Tankstellen werden von selbstständigen Pächtern betrieben, die in hohem Maße von den Mineralölkonzernen abhängig sind – bei Verträgen ebenso wie bei den Einkaufskonditionen. Über diese Abhängigkeit klagt die Branche seit Langem. Wer in Shop und Ladetechnik investieren muss, trägt das Risiko meist selbst.

Ein Balanceakt

Für die Pächter bedeutet das einen Spagat: Das alte Geschäft mit dem Sprit läuft aus, das neue mit Shop, Gastronomie und Strom muss erst tragfähig werden – beides zugleich, bei engen Margen. Die Tankstelle der Zukunft dürfte am Ende weniger nach Benzin riechen und mehr nach frischem Kaffee. Wer den Wandel annimmt, hat Chancen; wer zögert, bleibt im alten Modell zurück.