Kaum ein Name steht so sehr für die ausgelassene Clubkultur der späten Neunziger wie Fatboy Slim. Umso bemerkenswerter, wie offen der Musiker heute über die Kehrseite spricht: seinen Kampf gegen den Alkohol – und das Leben danach.
Ein Weckruf
Hinter dem Bühnennamen steckt der Brite Norman Cook, bekannt für Hits wie „Praise You" und „Right Here, Right Now". In einem Interview erzählte er, dass seine damalige Frau, die Radiomoderatorin Zoe Ball, ihm ein Ultimatum stellte: aufhören zu trinken – oder die Beziehung sei vorbei. 2009 begab er sich in eine Entzugsklinik. Seither lebt Cook ohne Alkohol. Den Entzug bezeichnet er rückblickend als das wohl Schwerste, das er je getan habe.
Die Angst auf der Bühne
Dass der Verzicht selbst nur ein Teil der Herausforderung war, ist eine der ehrlichsten Botschaften des Gesprächs. Als Cook nach dem Entzug zum ersten Mal wieder nüchtern auflegte, war die alte Selbstverständlichkeit verschwunden. Wo früher der Alkohol für Lockerheit gesorgt hatte, fühlte er sich nun wie gelähmt vor Anspannung. Über mehrere Auftritte hinweg habe er nicht tanzen, nicht genießen können und an sich selbst gezweifelt.
Der Moment in Japan
Die Wende kam ausgerechnet fern der Heimat. Bei einem Auftritt in Japan, vor einem besonders euphorischen Publikum, sei plötzlich alles an seinen Platz gefallen, schilderte Cook. Er habe wieder begriffen, worum es beim Auflegen eigentlich geht: nicht um ihn selbst, sondern darum, die Menge glücklich zu machen. Von da an habe er wieder Freude an der Musik gefunden.
Offenheit mit Wirkung
Cook, Jahrgang 1963, war einst Bassist der Band The Housemartins, bevor er in den Neunzigern als Produzent Weltruhm erlangte. Für das Musikvideo zu „Weapon of Choice" mit Schauspieler Christopher Walken gewann er einen Grammy. Dass ein Künstler dieses Formats so freimütig über Sucht und Rückfallängste spricht, hat Gewicht. Seine Geschichte erinnert daran, dass der Ausstieg aus der Abhängigkeit nicht das Ende ist – sondern oft erst der Anfang eines mühsamen, aber lohnenden neuen Weges.



